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Wenn etwas fehlt
Über innere Leere, fehlende Freude, Einsamkeit und die Sehnsucht nach einem anderen Erleben.
Manchmal ist es schwer zu benennen, was eigentlich fehlt.
Das Leben ist äußerlich geordnet, und doch stellt sich keine wirkliche Zufriedenheit ein. Dinge, die früher Freude gemacht haben, berühren einen kaum noch. Oder es bleibt ein Gefühl innerer Leere, obwohl Menschen, Aufgaben und Beziehungen das Leben ausfüllen.
Nicht immer lässt sich unmittelbar verstehen, woher solche Empfindungen kommen. Sie können mit Veränderungen oder Verlusten zusammenhängen. Es kann aber auch eine schwer greifbare Unstimmigkeit entstehen zwischen dem Leben, das wir führen, und dem, was wir innerlich erleben.
Auf den folgenden Wegen können Sie verschiedenen Seiten dieses Erlebens nachgehen. Sie werden sich womöglich in mehreren wiedererkennen. Sie müssen sich nicht für eine einzige entscheiden.
Was davon kommt Ihnen bekannt vor?
Sie können mehrere Aussagen auswählen. Ihre Auswahl wird nicht bewertet und dient nur dazu, passende Gedanken und Perspektiven anzuzeigen.
Ich fühle mich innerlich leer.
Es ist nicht unbedingt Traurigkeit. Eher das Gefühl, dass etwas in mir nicht erreichbar ist.
Nicht das, was wir fühlen, ist mitunter am schwersten, sondern das, was wir nicht mehr fühlen können.
Innere Leere kann sich wie ein Abstand zu sich selbst anfühlen. Man funktioniert, spricht mit anderen, erledigt seine Aufgaben und hat dennoch das Gefühl, innerlich kaum beteiligt zu sein.
Es kann eine Sehnsucht nach etwas entstehen, das sich nicht richtig benennen lässt. Oder die irritierende Erfahrung, dass selbst Dinge, die einem wichtig sind, kaum etwas auslösen.
Doch bedeutet innere Leere tatsächlich, dass keine Gefühle da sind? Oder könnte es sein, dass manches von dem, was wir empfinden, für uns selbst schwer zugänglich geworden ist?
Psychologische Perspektiven
Wenn Gefühle schwer erreichbar werden
Nicht alles, was wir erleben, können wir zu jedem Zeitpunkt auch fühlen. Besonders dann, wenn Gefühle über längere Zeit überwältigend, bedrohlich oder schwer auszuhalten waren, kann es geschehen, dass wir innerlich Abstand zu ihnen gewinnen.
Aus psychodynamischer Sicht kann ein solcher Abstand eine schützende Funktion haben. Was einmal geholfen hat, mit einer schwierigen Situation zurechtzukommen, kann jedoch später dazu führen, dass auch angenehme Gefühle weniger lebendig erlebt werden.
Die Psychoanalytikerin Anna Freud beschrieb, wie Menschen sich unbewusst vor inneren Konflikten und belastenden Gefühlen schützen können. Solche Abwehrvorgänge sind nicht grundsätzlich problematisch. Sie gehören zum menschlichen Erleben und können zeitweise sogar notwendig sein.
Es lohnt sich deshalb, nicht nur zu fragen, warum bestimmte Gefühle fehlen, sondern auch, unter welchen Umständen es einmal sinnvoll gewesen sein könnte, sie weniger deutlich wahrzunehmen.
Wenn die Verbindung zu sich selbst verloren geht
Unser Leben kann sich so sehr danach richten, was von uns erwartet wird, dass die Frage nach den eigenen Wünschen kaum noch Raum findet. Wir übernehmen Verantwortung, erfüllen Aufgaben, passen uns an und merken erst spät, dass wir nicht mehr genau wissen, was wir selbst eigentlich möchten.
Der Psychoanalytiker Donald Winnicott beschäftigte sich mit der Frage, wie Menschen ein Gefühl für ihr eigenes, lebendiges Selbst entwickeln. Er beschrieb, dass Anpassung an die Erwartungen anderer unter bestimmten Bedingungen so bestimmend werden kann, dass spontane Wünsche und persönliche Bedürfnisse zunehmend in den Hintergrund treten.
Dabei muss Anpassung keineswegs etwas Schlechtes sein. Sie ermöglicht Zusammenleben und Beziehungen. Schwieriger kann es werden, wenn wir kaum noch unterscheiden können, was wir aus eigenem Antrieb tun und was vor allem deshalb, weil wir glauben, es tun zu müssen.
Daraus ergibt sich eine ungewohnte Frage: Wann habe ich zuletzt etwas getan, nicht weil es sinnvoll, notwendig oder erwünscht war, sondern einfach, weil ich es selbst wollte? Weil es mein eigenes Bedürfnis war?
Wenn Beziehungen die Leere nicht erreichen
Man kann Menschen um sich haben, geliebt werden und sich dennoch innerlich allein fühlen. Was fehlt, ist nicht unbedingt die Nähe selbst, sondern das Gefühl, mit dem eigenen Erleben wirklich bei einem anderen Menschen anzukommen. In Verbindung zu sein.
Die Psychoanalytikerin Jessica Benjamin beschäftigte sich mit der Bedeutung wechselseitiger Anerkennung in Beziehungen. Ihre Überlegungen machen deutlich, wie wichtig es sein kann, nicht nur als jemand wahrgenommen zu werden, der bestimmte Aufgaben erfüllt oder Erwartungen entspricht, sondern als eigenständiger Mensch mit einer eigenen inneren Welt.
Doch auch wenn andere uns verstehen möchten, gelingt es nicht immer, sich ihnen zu zeigen. Es gibt Gefühle, für die wir selbst noch keine Worte gefunden haben. Oder Erfahrungen, in denen bestimmte Seiten von uns wenig Raum bekamen oder auf Unverständnis stießen. Dann kann es schwierig werden, Nähe nicht nur zuzulassen, sondern auch als solche zu erleben.
Gibt es Menschen, bei denen ich mich wirklich zeigen kann, auch mit dem, was widersprüchlich, unsicher oder schwer auszusprechen ist?
Wenn etwas verloren gegangen ist
Nicht jeder Verlust ist auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Wir können einen Menschen, eine Beziehung oder einen vertrauten Lebenszusammenhang verlieren. Doch auch von etwas, das nie Wirklichkeit geworden ist, müssen wir uns mitunter verabschieden: einer Hoffnung, einer Vorstellung davon, wie unser Leben einmal aussehen würde, oder einer Zukunft, die wir uns für uns selbst gewünscht haben.
Sigmund Freud unterschied in Trauer und Melancholie (1917) zwischen bewusster Trauer und Formen melancholischen Erlebens, bei denen die Bedeutung des Verlustes teilweise unbewusst bleibt. Für die Melancholie beschrieb er, dass ein Mensch wissen kann, wen er verloren hat, ohne zu erkennen, was er an dieser Person verloren hat. Auch über diesen theoretischen Zusammenhang hinaus kann die Frage hilfreich sein, welche Sicherheit, Hoffnungen oder Zukunftsvorstellungen mit einem Verlust verbunden waren.
Innere Leere kann sich dort zeigen, wo etwas zu Ende gegangen ist, für das wir noch keinen wirklichen Abschied gefunden haben. Nicht unbedingt, weil wir den Verlust verdrängen, sondern weil wir selbst noch nicht ganz begreifen, was er für uns bedeutet.
Gibt es etwas in meinem Leben, von dem ich mich verabschieden musste, ohne wirklich wahrgenommen zu haben, wie viel es mir bedeutet hat? Oder etwas, das ich mir lange gewünscht habe und dessen Ausbleiben ich nie als Verlust betrachtet habe?
Wann verdient innere Leere besondere Aufmerksamkeit?
Innere Leere ist nicht automatisch ein Zeichen einer psychischen Erkrankung. Sie kann vorübergehend auftreten, etwa in belastenden Lebensphasen, und wieder nachlassen. Sie kann jedoch auch bestehen bleiben oder zunehmend Raum im eigenen Leben einnehmen.
Für die Einordnung ist nicht nur wichtig, wie sich die Leere anfühlt, sondern auch, wie sie sich entwickelt. Gibt es noch Momente, in denen Freude, Interesse oder Verbundenheit spürbar werden? Oder erscheint inzwischen fast alles gleichgültig? Haben sich Schlaf, Antrieb, Konzentration oder die Fähigkeit verändert, den Alltag zu bewältigen?
Anhaltende innere Leere kann mit unterschiedlichen psychischen oder körperlichen Erkrankungen zusammenhängen. Bei einer Depression können beispielsweise ausgeprägter Interessenverlust und Freudlosigkeit auftreten. Auch dissoziative Zustände können das Gefühl hervorrufen, von den eigenen Empfindungen entfernt zu sein. Das Erleben allein erlaubt jedoch keine Diagnose.
Wenn die Leere über längere Zeit anhält, zunehmend belastet oder das Leben einschränkt, kann eine fachliche Abklärung hilfreich sein. Dafür muss man nicht erst völlig erschöpft sein oder seinen Alltag nicht mehr bewältigen können.
Neben der Frage, woher dieses Gefühl kommt, ist deshalb auch wichtig, wie sehr es das eigene Leben inzwischen beeinflusst.
Abschließender Gedanke
Vielleicht ist die Frage nicht nur, was uns fehlt, sondern auch, wie wir mit diesem Gefühl umgehen.
Innere Leere kann verunsichern. Sie kann den Wunsch wecken, möglichst schnell wieder etwas zu empfinden, eine Erklärung zu finden oder den Zustand zu verändern. Doch es kann hilfreich sein, zunächst wahrzunehmen, was in uns vorgeht, ohne es gleich bewerten zu müssen.
Haben Sie beim Lesen etwas wiedererkannt? Ist Ihnen eine neue Möglichkeit begegnet, Ihr Erleben zu verstehen? Oder sind Fragen entstanden, auf die Sie noch keine Antwort haben?
Auch das kann ein Anfang sein.
Nichts macht mir mehr richtig Freude.
Ich erinnere mich daran, wie sehr ich mich auf bestimmte Dinge gefreut habe. Aber das Gefühl stellt sich nicht mehr ein.
Sie treffen Menschen, die Ihnen wichtig sind, gehen Ihren Interessen nach oder unternehmen etwas, das Ihnen früher Freude gemacht hat. Eigentlich wissen Sie noch, was Sie daran mögen. Und doch fühlt es sich anders an als früher.
Das kann eine eigentümliche Erfahrung sein. Denn es ist nicht unbedingt so, dass Ihnen diese Dinge gleichgültig geworden sind. Sie können Ihnen weiterhin wichtig sein, ohne dass sich die vertraute Freude einstellt.
Besonders irritierend ist dieser Unterschied, wenn es keinen erkennbaren Anlass dafür gibt. Die Umstände sind ähnlich geblieben, aber das eigene Erleben hat sich verändert.
Was geschieht, wenn wir etwas weiterhin mögen, uns daran erinnern, wie schön es einmal war, und dennoch kaum noch Freude daran empfinden? Und was könnte hinter dieser Veränderung stehen?
Psychologische Perspektiven
Wenn das Leben nur noch aus Anforderungen besteht
Es gibt Lebensphasen, in denen wir so sehr damit beschäftigt sind, alles zu bewältigen, dass kaum noch Raum bleibt, etwas wirklich zu genießen. Wir arbeiten, organisieren, kümmern uns und erledigen, was notwendig ist. Selbst freie Zeit wird dann häufig zu etwas, das wir sinnvoll nutzen oder möglichst gut gestalten möchten.
Die Psychoanalytikerin Joyce McDougall beschäftigte sich mit Menschen, die nach außen gut angepasst und leistungsfähig erscheinen, während ihr inneres Erleben wenig Raum bekommt. In ihrem Werk Plädoyer für eine gewisse Anormalität hinterfragte sie die Vorstellung, dass ein möglichst reibungsloses Funktionieren bereits Ausdruck psychischer Gesundheit sei. Eine weitreichende Anpassung an äußere Anforderungen kann auch mit einer Verarmung des eigenen emotionalen Lebens einhergehen.
Das bedeutet nicht, dass Anforderungen grundsätzlich schädlich sind. Arbeit und Verantwortung können erfüllend sein und Struktur geben. Doch wenn sich das Leben zunehmend darauf beschränkt, Erwartungen zu erfüllen, stellt sich die Frage, wo noch Platz für Erfahrungen bleibt, die keinem bestimmten Zweck dienen müssen.
Wann habe ich zuletzt etwas getan, ohne dass es sinnvoll sein, gelingen oder mir etwas bringen musste?
Wenn Freude nicht mehr von selbst entsteht
Freude ist nicht nur eine Reaktion auf etwas Schönes. Sie hat auch damit zu tun, ob wir uns auf eine Erfahrung einlassen können, ohne bereits zu wissen, was daraus entstehen soll. Ein Gespräch, ein Spaziergang oder eine unerwartete Begegnung können uns berühren, gerade weil wir sie nicht vollständig planen.
Der Psychoanalytiker Donald Winnicott beschäftigte sich in Vom Spiel zur Kreativität (englisches Original Playing and Reality, 1971; deutsche Erstausgabe 1973) mit der Bedeutung des Spielens und schöpferischen Erlebens. Dabei verstand er Kreativität nicht nur als künstlerische Fähigkeit, sondern als eine lebendige Art, der Welt zu begegnen.
Wenn dieser spielerische Zugang zum Leben in den Hintergrund tritt, können selbst schöne Erfahrungen eigentümlich gleichförmig wirken. Es geht dann nicht unbedingt darum, mehr zu unternehmen, sondern um die Frage, wie wir dem begegnen, was wir bereits erleben.
Gibt es in meinem Leben noch Raum für etwas, dessen Ausgang offen ist und das einfach aus Freude an der Erfahrung entstehen darf?
Wenn das Vertraute seine Bedeutung verändert
Was uns früher begeistert hat, muss nicht für immer dieselbe Bedeutung behalten. Interessen verändern sich, Ziele verlieren an Anziehungskraft, und Vorstellungen von einem erfüllten Leben entwickeln sich weiter. Dennoch halten wir häufig an dem fest, was uns einmal wichtig war.
Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt in Resonanz (2016), dass die Qualität unseres Lebens nicht allein davon abhängt, was wir besitzen, erreichen oder erleben. Entscheidend sei auch, ob wir uns von der Welt angesprochen fühlen und eine lebendige Beziehung zu ihr erfahren.
Aus dieser Perspektive lässt sich fragen, ob wir manchmal versuchen, Freude an Dingen wiederzufinden, zu denen sich unsere Beziehung längst verändert hat. Nicht alles, was einmal erfüllend war, muss es weiterhin sein.
Was in meinem Leben ist mir heute noch wichtig, weil es mich tatsächlich berührt, und woran halte ich vor allem fest, weil es früher einmal so war?
Wenn Glücklichsein zur Erwartung wird
Wir leben mit zahlreichen Vorstellungen davon, wie sich ein gutes Leben anfühlen sollte. Ein schöner Urlaub soll glücklich machen, gemeinsame Zeit soll erfüllen, und wer vieles erreicht hat, sollte eigentlich zufrieden sein. Bleibt dieses Gefühl aus, entsteht leicht der Eindruck, mit uns selbst stimme etwas nicht.
Der Psychoanalytiker Adam Phillips beschäftigt sich in seinem Buch Missing Out: In Praise of the Unlived Life (2012) mit der Spannung zwischen dem Leben, das wir tatsächlich führen, und dem, das wir uns vorstellen oder wünschen. Unsere Erwartungen an ein erfülltes Leben können zu einem Maßstab werden, an dem die eigene Wirklichkeit immer wieder unzureichend erscheint.
So kann selbst ein schöner Moment von der Frage begleitet sein, ob er schön genug ist. Statt wahrzunehmen, was wir tatsächlich empfinden, vergleichen wir unser Erleben mit dem, was wir glauben empfinden zu müssen. Zur ausbleibenden Freude kommt dann die Enttäuschung über uns selbst hinzu.
Wie würde ich einen Tag erleben, wenn ich nicht ständig überprüfen würde, ob er mich glücklich macht?
Wenn Freude, Interesse und Antrieb nachlassen
Nicht jede Erfahrung fehlender Freude fühlt sich gleich an. Manche Menschen haben weiterhin Interesse an bestimmten Dingen, erleben aber kaum noch Freude, wenn sie ihnen nachgehen. Andere spüren bereits im Vorfeld wenig Lust, überhaupt etwas zu unternehmen. Wieder andere würden gerne aktiv werden, finden jedoch kaum die nötige Energie.
Diese Unterschiede können helfen, das eigene Erleben genauer zu beschreiben. Es macht einen Unterschied, ob uns etwas nicht mehr interessiert, ob wir uns nicht darauf freuen können oder ob die Freude ausbleibt, obwohl wir mitten in einer eigentlich angenehmen Erfahrung sind.
In der Psychologie und Psychiatrie wird eine deutlich verminderte Fähigkeit, Freude zu empfinden, als Anhedonie bezeichnet. Sie kann bei depressiven Erkrankungen auftreten, ist für sich genommen jedoch keine Diagnose. Auch Erschöpfung, anhaltender Stress, körperliche Erkrankungen oder Medikamente können das Erleben von Freude und Motivation beeinflussen.
Wenn solche Veränderungen über längere Zeit bestehen, zunehmend belasten oder mit weiteren Beschwerden einhergehen, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.
Was trifft auf mich eher zu: Dass ich mich auf kaum noch etwas freue? Dass ich selbst schöne Momente nicht mehr genießen kann? Oder dass mir die Kraft fehlt, überhaupt etwas zu unternehmen?
Abschließender Gedanke
Wir können entscheiden, was wir unternehmen. Aber nicht immer, was wir dabei empfinden.
Es kann schmerzlich sein, wenn etwas, das uns früher Freude gemacht hat, seine vertraute Wirkung verliert. Besonders dann, wenn wir uns gut daran erinnern, wie anders es einmal war.
Doch Freude ist nichts, das wir auf Abruf herstellen können. Ihr Ausbleiben sagt weder etwas über unseren Wert aus noch darüber, ob wir uns ausreichend bemühen.
Was wir empfinden, lässt sich nicht immer unmittelbar verändern. Aber wir können beginnen, genauer hinzusehen, ohne uns dafür zu verurteilen.
Vielleicht beginnt damit nicht sofort die Freude zurückzukehren. Aber ein anderer Umgang mit ihrem Fehlen.
Eigentlich ist alles gut, aber es fühlt sich nicht so an.
Mein äußeres Leben passt, doch innerlich fehlt etwas.
Es gibt vieles in Ihrem Leben, mit dem Sie zufrieden sein könnten. Beziehungen, Familie, Arbeit oder ein Alltag, der weitgehend so verläuft, wie Sie es sich vorgestellt haben. Von außen betrachtet scheint vieles zu stimmen. Und dennoch bleibt eine Unzufriedenheit, für die sich kein eindeutiger Grund finden lässt.
Gerade dieser Widerspruch kann schwer auszuhalten sein. Denn wenn es einem eigentlich gut gehen müsste, erscheint das eigene Unbehagen schnell unberechtigt. Man beginnt, die eigenen Gefühle infrage zu stellen, vergleicht sich mit anderen oder fragt sich, ob man undankbar ist.
So kann eine eigentümliche Situation entstehen: Man möchte nichts von dem, was man hat, unbedingt verlieren. Und doch ist da das Gefühl, dass etwas nicht ganz stimmt.
Wie lässt sich verstehen, dass ein Leben äußerlich stimmig erscheint und sich innerlich dennoch anders anfühlt?
Psychologische Perspektiven
Wenn das eigene Leben Erwartungen erfüllt
Viele Vorstellungen davon, wie ein gutes Leben aussehen sollte, entwickeln wir lange bevor wir selbst darüber nachdenken. Wir übernehmen Bilder von Erfolg, Beziehungen, Familie oder Sicherheit aus unserem Umfeld. Sie geben Orientierung und können uns helfen, eigene Ziele zu entwickeln.
Der Psychoanalytiker Erich Fromm beschäftigte sich in Haben oder Sein (1976) mit der Frage, wie sehr Menschen ihr Leben an Besitz, Leistung und gesellschaftlich anerkannten Vorstellungen von Erfolg ausrichten. Er unterschied zwischen einer Lebensweise, die sich vor allem über das Erreichte definiert, und einer, in der das eigene Erleben und die Beziehung zur Welt im Vordergrund stehen.
Ein Leben kann deshalb vieles von dem erfüllen, was wir uns vorgenommen haben, ohne dass sich die erwartete Zufriedenheit einstellt. Nicht unbedingt, weil unsere Entscheidungen falsch waren, sondern weil das Erreichen eines Ziels und das Erleben von Erfüllung zwei unterschiedliche Dinge sind.
Welche Vorstellungen von einem gelungenen Leben habe ich übernommen, ohne mich je zu fragen, ob sie tatsächlich meine eigenen sind?
Wenn Dankbarkeit zur Verpflichtung wird
Wer vieles hat, das andere sich wünschen, fühlt sich mit der eigenen Unzufriedenheit häufig unwohl. Es entsteht der Gedanke, man habe keinen Grund, sich zu beklagen. Statt das eigene Erleben ernst zu nehmen, versucht man, es mit dem Hinweis auf die guten Lebensumstände zu korrigieren.
Melanie Klein beschrieb in Neid und Dankbarkeit (1957) Dankbarkeit als eng verbunden mit der Fähigkeit, Gutes annehmen und genießen zu können. Dankbarkeit ist bei ihr keine Pflicht, sondern Ausdruck einer inneren Erfahrung, in der auch Enttäuschung Platz haben kann, ohne das Gute zu zerstören. Eine Dankbarkeit, die wir uns abverlangen, um unzufriedene Gefühle nicht spüren zu müssen, ist etwas anderes.
Schwierig wird es, wenn Dankbarkeit zur Forderung an uns selbst wird. Dann scheint Unzufriedenheit etwas zu sein, das wir uns nicht erlauben dürfen. Dabei schließen Wertschätzung und der Wunsch nach Veränderung einander nicht aus.
Kann ich anerkennen, was in meinem Leben gut ist, und zugleich ernst nehmen, was mir darin fehlt?
Wenn eigene Wünsche schwer zu erkennen sind
Wir wissen häufig recht genau, was wir erreichen möchten. Weniger eindeutig ist manchmal, warum wir es möchten. Hinter bewussten Entscheidungen können unterschiedliche Bedürfnisse stehen, die sich nicht immer miteinander vereinbaren lassen.
Der Psychoanalytiker Christopher Bollas beschäftigte sich in The Shadow of the Object (1987) mit der Frage, wie frühe Beziehungserfahrungen unsere späteren Vorlieben, Entscheidungen und Formen des Erlebens prägen können, ohne dass uns diese Zusammenhänge bewusst sind.
So können wir uns nach Sicherheit sehnen und zugleich mehr Freiheit wünschen. Wir können uns für ein bestimmtes Leben entscheiden und dennoch Seiten an uns entdecken, die darin kaum Platz finden. Solche Widersprüche bedeuten nicht zwangsläufig, dass wir uns falsch entschieden haben.
Gibt es Wünsche, die ich mir nur schwer eingestehe, weil sie nicht zu dem Leben passen, für das ich mich entschieden habe?
Wenn sich etwas verändert hat
Nicht jede Unzufriedenheit weist darauf hin, dass von Anfang an etwas gefehlt hat. Was uns früher Sicherheit, Orientierung oder Erfüllung gegeben hat, kann im Laufe unseres Lebens eine andere Bedeutung bekommen. Wir verändern uns, auch wenn unsere äußeren Lebensumstände weitgehend gleich bleiben.
Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson beschrieb in Identity and the Life Cycle (1959; deutsch Identität und Lebenszyklus), dass die Entwicklung unserer Identität nicht mit dem Erwachsenwerden abgeschlossen ist. In unterschiedlichen Lebensphasen begegnen wir neuen inneren und zwischenmenschlichen Aufgaben, die unser Selbstverständnis verändern können.
Eine Lebensentscheidung kann deshalb zu einem früheren Zeitpunkt stimmig gewesen sein und sich später anders anfühlen. Das muss nicht bedeuten, dass sie ein Fehler war. Es kann auch Ausdruck einer Entwicklung sein, für die wir noch keine Worte gefunden haben.
Was hat sich in mir verändert, während mein Leben äußerlich weitgehend gleich geblieben ist?
Was genau fühlt sich nicht richtig an?
Das Gefühl, mit dem eigenen Leben nicht ganz zufrieden zu sein, muss nicht bedeuten, dass das gesamte Leben infrage steht. Es kann einzelne Bereiche betreffen, während andere weiterhin als erfüllend erlebt werden.
Es macht einen Unterschied, ob wir uns in einer Beziehung nicht mehr wohlfühlen, uns im Beruf etwas fehlt oder ob sich eine schwerer zu beschreibende Unzufriedenheit durch unterschiedliche Lebensbereiche zieht.
Auch die Frage, wann dieses Gefühl auftritt, kann aufschlussreich sein. Ist es vor allem in bestimmten Situationen spürbar? Begleitet es uns auch in Momenten, die wir eigentlich genießen möchten? Oder verändert es sich, wenn wir Abstand vom Alltag gewinnen?
Solche Unterschiede können helfen, aus einem allgemeinen Gefühl des Unbehagens konkretere Fragen zu entwickeln. Nicht immer braucht es dafür eine grundlegende Veränderung der Lebensumstände.
Wenn die Unzufriedenheit jedoch über längere Zeit anhält, erheblichen Leidensdruck verursacht oder mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und anderen Beschwerden einhergeht, kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein.
Betrifft mein Unbehagen bestimmte Bereiche meines Lebens oder habe ich zunehmend das Gefühl, dass sich selbst die Dinge nicht mehr richtig anfühlen, die mir eigentlich wichtig sind?
Abschließender Gedanke
Ein Leben kann gut sein, ohne sich in jeder Hinsicht richtig anzufühlen.
Es ist möglich, die eigenen Entscheidungen nicht zu bereuen und dennoch etwas zu vermissen. Menschen zu lieben und zugleich unzufrieden zu sein. Das Erreichte wertzuschätzen, ohne darin alles zu finden, was man sich erhofft hat.
Solche Empfindungen müssen kein Urteil über das eigene Leben sein. Sie verlangen nicht zwangsläufig nach einer Entscheidung oder einer grundlegenden Veränderung.
Vielleicht geht es zunächst darum, sich selbst zuzugestehen, dass unterschiedliche Gefühle nebeneinander bestehen dürfen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht zusammenpassen.
Sie müssen Ihr Leben nicht schlecht finden, um ernst nehmen zu dürfen, was Ihnen darin fehlt.
Ich fühle mich allein, auch wenn Menschen um mich sind.
Es gibt Menschen in meinem Leben. Und trotzdem fühle ich mich mit vielem allein.
Sie verbringen Zeit mit anderen, führen Gespräche, pflegen Freundschaften oder leben in einer engen Beziehung. Es gibt Menschen, die Ihnen wichtig sind und denen Sie selbst wichtig sind. Und dennoch kennen Sie dieses Gefühl, mitten unter anderen eigentümlich allein zu sein.
Besonders schmerzlich kann diese Erfahrung sein, wenn sie gerade dort auftritt, wo Sie sich Nähe wünschen. Bei einem gemeinsamen Abend, in einem vertrauten Gespräch oder neben einem Menschen, mit dem Sie Ihr Leben teilen. Sie sind nicht allein, und doch fehlt etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt.
Vielleicht fragen Sie sich, weshalb Sie sich so fühlen, obwohl andere Menschen für Sie da sind. Ob Ihnen etwas in Ihren Beziehungen fehlt, ob Sie selbst etwas zurückhalten oder ob es eine Form von Nähe gibt, die Sie bisher kaum erfahren haben.
Was unterscheidet das Zusammensein mit anderen von dem Gefühl, ihnen wirklich verbunden zu sein?
Psychologische Perspektiven
Wenn Kontakt nicht zu Verbundenheit wird
Wir können viel Zeit mit anderen verbringen, Gespräche führen und gemeinsame Erfahrungen machen, ohne uns ihnen wirklich nahe zu fühlen. Nicht jede Begegnung hinterlässt das Gefühl, verstanden oder als Person wahrgenommen worden zu sein.
Die Psychoanalytikerin Jessica Benjamin beschäftigt sich in Die Fesseln der Liebe (engl. The Bonds of Love, 1988) mit der Bedeutung gegenseitiger Anerkennung für menschliche Beziehungen. Sie beschreibt, wie wichtig es ist, das Gegenüber nicht nur im Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, sondern als eigenständigen Menschen mit eigenen Gefühlen, Wünschen und Erfahrungen anzuerkennen.
Dieser Gedanke eröffnet einen anderen Blick auf Einsamkeit. Wir können füreinander da sein, Verantwortung übernehmen und den Alltag miteinander teilen, ohne uns mit dem, was uns innerlich bewegt, wirklich zu begegnen. Verbundenheit entsteht nicht allein durch Nähe, sondern auch durch die Erfahrung, dass unsere eigene innere Welt für einen anderen Menschen Bedeutung hat.
Bei welchen Menschen habe ich das Gefühl, mit dem, was mich wirklich beschäftigt, gesehen und verstanden zu werden?
Wenn es schwerfällt, sich zu zeigen
Nicht alles, was uns beschäftigt, lässt sich leicht aussprechen. Wir behalten Gedanken für uns, vermeiden bestimmte Themen oder erzählen nur einen Teil dessen, was wir tatsächlich empfinden. Dahinter kann die Sorge stehen, andere zu belasten, nicht verstanden zu werden oder mit den eigenen Gefühlen auf Ablehnung zu stoßen.
Der Psychoanalytiker Sidney Blatt beschäftigte sich unter anderem mit der Bedeutung zwischenmenschlicher Verbundenheit und der Entwicklung eines eigenständigen Selbst. In Experiences of Depression (2004) beschrieb er, wie eng unser Bedürfnis nach Nähe mit der Frage verbunden sein kann, ob wir uns in Beziehungen sicher und angenommen fühlen.
Wer befürchtet, durch Offenheit eine wichtige Beziehung zu gefährden, kann beginnen, bestimmte Seiten seiner selbst zurückzuhalten. So bleibt die Beziehung bestehen, während das Gefühl entsteht, mit dem eigenen inneren Erleben allein zu sein.
Was fällt mir schwer, anderen von mir zu zeigen und was befürchte ich, könnte geschehen, wenn ich es doch tue?
Wenn vertraute Beziehungserfahrungen nachwirken
Wie wir Nähe erleben, hängt nicht nur davon ab, wie andere Menschen uns heute begegnen. Auch frühere Erfahrungen können beeinflussen, was wir von Beziehungen erwarten und wie wir auf Zuwendung, Distanz oder Unsicherheit reagieren.
Der Psychoanalytiker John Bowlby beschrieb in Attachment and Loss (1969–1980), wie sich aus frühen Bindungserfahrungen innere Vorstellungen darüber entwickeln können, ob andere Menschen verfügbar und verlässlich sind und ob wir selbst mit unseren Bedürfnissen angenommen werden.
Solche Erwartungen müssen uns nicht bewusst sein. Wer wiederholt erlebt hat, mit schwierigen Gefühlen allein zurechtkommen zu müssen, kann sich auch später schwertun, Unterstützung anzunehmen. Selbst wenn andere Nähe anbieten, ist es nicht immer leicht, sich darauf zu verlassen.
Welche Erwartungen an Nähe und Verlässlichkeit begleiten mich möglicherweise schon länger, als mir bewusst ist?
Wenn Einsamkeit Rückzug verstärkt
Einsamkeit kann den Wunsch nach Nähe verstärken. Gleichzeitig kann sie dazu führen, dass wir uns gerade von den Menschen entfernen, deren Gesellschaft wir vermissen. Wer sich wiederholt unverstanden oder ausgeschlossen fühlt, geht möglicherweise seltener auf andere zu, sagt Einladungen ab oder zieht sich aus Gesprächen zurück.
Der Psychiater und Psychoanalytiker Harry Stack Sullivan betonte in The Interpersonal Theory of Psychiatry (1953), wie wesentlich zwischenmenschliche Beziehungen für unser psychisches Erleben sind. Er beschäftigte sich auch damit, wie Ängste und Unsicherheiten unser Verhalten in Beziehungen beeinflussen können.
Aus dieser Perspektive lässt sich Rückzug nicht nur als fehlendes Interesse an anderen verstehen. Er kann auch ein Versuch sein, sich vor weiteren enttäuschenden Erfahrungen zu schützen. Doch was kurzfristig Sicherheit gibt, kann langfristig dazu beitragen, dass die ersehnte Verbundenheit noch schwerer erreichbar wird.
Gibt es Situationen, in denen ich mir Nähe wünsche, mich aber gerade aus Angst vor Enttäuschung zurückziehe?
Warum wir uns unter Menschen einsamer fühlen können als allein
Allein zu sein und sich einsam zu fühlen, ist nicht dasselbe. Zeit für sich zu haben, kann wohltuend sein. Sie bietet Raum, eigenen Gedanken nachzugehen, sich zu erholen oder einfach nichts von sich zeigen zu müssen.
Einsamkeit hingegen beschreibt das schmerzliche Erleben, dass die Verbundenheit, die wir uns wünschen, nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. Dieses Gefühl kann auch entstehen, wenn wir von Menschen umgeben sind.
Gerade in Gesellschaft kann der Unterschied zwischen gewünschter und erlebter Nähe besonders deutlich werden. Während andere miteinander vertraut erscheinen, fühlen wir uns möglicherweise nicht zugehörig. Oder wir sitzen mit Menschen zusammen, die uns nahestehen, und bemerken, wie wenig von dem, was uns beschäftigt, zwischen uns zur Sprache kommt.
Dabei ist es hilfreich, zwischen verschiedenen Formen von Einsamkeit zu unterscheiden. Es kann uns an einem größeren sozialen Umfeld fehlen, an einer vertrauten Person oder an dem Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Diese Bedürfnisse lassen sich nicht immer gegenseitig ersetzen. Viele Bekanntschaften können eine enge Beziehung nicht ersetzen, und selbst eine erfüllende Partnerschaft muss nicht das Bedürfnis nach Freundschaft oder Zugehörigkeit zu einer Gruppe erfüllen.
Welche Art von Verbundenheit vermisse ich eigentlich: jemanden, dem ich mich anvertrauen kann, Menschen, mit denen ich etwas teile, oder das Gefühl, irgendwo dazuzugehören?
Abschließender Gedanke
Wir können Menschen nahestehen und uns dennoch mit etwas in uns allein fühlen.
Es kann schmerzlich sein, sich nach Verbundenheit zu sehnen, obwohl Menschen da sind, die uns wichtig sind. Besonders dann, wenn wir selbst nicht genau sagen können, was uns in diesen Beziehungen fehlt.
Doch Einsamkeit ist nicht immer ein Zeichen dafür, dass wir die falschen Menschen um uns haben. Ebenso wenig bedeutet sie zwangsläufig, dass wir nicht fähig sind, Nähe zuzulassen.
Nicht jede Beziehung kann uns auf dieselbe Weise begegnen. Und nicht alles, was wir in uns tragen, findet sofort einen Menschen, mit dem wir es teilen können.
Vielleicht geht es nicht darum, weniger allein zu sein, sondern darum, mit dem, was uns bewegt, weniger allein bleiben zu müssen.
Ich bin traurig und weiß nicht genau, warum.
Ich spüre eine Traurigkeit in mir, aber ich weiß nicht, woher sie kommt.
Es gibt Tage, an denen Sie traurig sind, ohne dass etwas Besonderes geschehen ist. Das Gefühl taucht in einem stillen Moment auf, auf dem Weg nach Hause oder mitten in einer vertrauten Situation. Vielleicht ist es auch schon länger da und begleitet Sie durch Ihren Alltag.
Sie versuchen zu verstehen, was Sie beschäftigt. Denken darüber nach, was in letzter Zeit geschehen ist, suchen nach einem Anlass oder einer Erinnerung. Doch nichts davon scheint wirklich zu erklären, weshalb Sie sich so fühlen.
Besonders verunsichernd kann sein, dass die Traurigkeit deutlich spürbar ist, während ihre Bedeutung unklar bleibt. Sie wissen, dass etwas in Ihnen vorgeht, finden aber keine Worte dafür, was es sein könnte.
Wie lässt sich eine Traurigkeit verstehen, für die wir selbst noch keine Erklärung haben?
Psychologische Perspektiven
Wenn Gefühle nicht eindeutig zuzuordnen sind
Nicht immer verstehen wir unmittelbar, was wir empfinden. Wir können traurig sein, ohne einen bestimmten Gedanken damit verbinden zu können. Oder wir bemerken erst im Nachhinein, wie sehr uns eine Begegnung, eine Bemerkung oder eine Veränderung beschäftigt hat.
Der Psychoanalytiker Wilfred Bion untersuchte in Learning from Experience (1962), wie emotionale Erfahrungen innerlich verarbeitet und allmählich in Gedanken überführt werden können. Seine Überlegungen eröffnen einen Zugang zu der Frage, weshalb sich manche Gefühle zunächst deutlich bemerkbar machen, ohne bereits in Worte gefasst werden zu können.
Aus dieser Perspektive muss eine schwer erklärbare Traurigkeit nicht bedeuten, dass sie grundlos ist. Es kann auch sein, dass wir noch keinen Zusammenhang zwischen unserem Gefühl und dem gefunden haben, was uns innerlich beschäftigt. Nicht jede Erfahrung wird im selben Augenblick verständlich, in dem wir sie machen.
Gibt es etwas, das mich in letzter Zeit berührt hat, dessen Bedeutung für mich ich aber noch nicht ganz verstehe?
Wenn sich Belastungen ansammeln
Nicht immer ist es ein einzelnes Ereignis, das uns traurig macht. Auch viele kleine Enttäuschungen, unerfüllte Erwartungen oder wiederkehrende Anstrengungen können Spuren hinterlassen. Jede Erfahrung für sich scheint vielleicht kaum der Rede wert. Zusammengenommen können sie jedoch schwer wiegen.
Alice Miller beschrieb in Das Drama des begabten Kindes (1979) aus ihrer damaligen psychoanalytischen Perspektive, wie Kinder eigene Gefühle und Bedürfnisse zurückstellen können, um sich an die emotionalen Bedürfnisse ihrer Eltern anzupassen. Dies ist eine klinisch-theoretische Deutung, keine allgemeingültige Erklärung für Traurigkeit. Als Anregung lässt sich daraus die Frage entwickeln, ob wir gelernt haben, eigene Belastungen wenig wahrzunehmen.
Wer lange versucht, verständnisvoll, belastbar oder zuverlässig zu sein, bemerkt möglicherweise erst spät, wie viel Enttäuschung oder Erschöpfung sich angesammelt hat. Die Traurigkeit scheint dann ohne Anlass aufzutreten, obwohl ihr zahlreiche Erfahrungen vorausgegangen sind.
Welche kleinen Enttäuschungen oder Belastungen habe ich in letzter Zeit hingenommen, ohne ihnen viel Aufmerksamkeit zu schenken?
Wenn etwas betrauert wird
Bei Trauer denken wir häufig zuerst an den Tod eines nahestehenden Menschen. Doch auch andere Verluste können Traurigkeit auslösen: das Ende einer Lebensphase, eine veränderte Freundschaft, eine unerfüllte Hoffnung oder die Erkenntnis, dass etwas nicht mehr möglich sein wird.
Pauline Boss beschrieb in Ambiguous Loss (1999) Verluste, bei denen körperliche und psychische Anwesenheit auseinanderfallen: etwa wenn ein Mensch vermisst wird oder bei einer Demenzerkrankung körperlich da ist, seine vertraute psychische Erreichbarkeit aber verloren geht. Ungewissheit kann das Trauern dabei besonders erschweren. Andere, wenig sichtbare Abschiede sind davon zu unterscheiden, verdienen aber ebenfalls Aufmerksamkeit.
Auch im eigenen Leben gibt es Veränderungen, für die kein Abschiedsritual vorgesehen ist. Wir machen weiter, passen uns an und nehmen erst später wahr, dass etwas Vergangenes für uns bedeutsam war. Die damit verbundene Traurigkeit kann sich zeigen, bevor wir sie als Trauer erkennen.
Gibt es etwas in meinem Leben, von dem ich Abschied genommen habe, ohne mir bewusst zu machen, wie viel es mir bedeutet hat?
Wenn Traurigkeit länger anhält
Traurigkeit gehört zum menschlichen Leben. Sie kann kommen und gehen, sich verändern oder in bestimmten Situationen wieder stärker werden. Doch es gibt auch Zeiten, in denen Niedergeschlagenheit über Wochen bestehen bleibt und zunehmend den Alltag bestimmt.
Die Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin Emmy Gut beschäftigte sich in Productive and Unproductive Depression (1989) mit unterschiedlichen Formen depressiven Erlebens. Sie untersuchte unter anderem, unter welchen Bedingungen schmerzliche Gefühle zu einer Auseinandersetzung mit wichtigen Lebenserfahrungen beitragen können und wann sie mit einer erheblichen Einschränkung psychischer Möglichkeiten verbunden sind.
Diese Unterscheidung bedeutet nicht, dass anhaltende Traurigkeit einen verborgenen Sinn haben muss. Wenn Niedergeschlagenheit über längere Zeit anhält, Freude und Interesse deutlich nachlassen oder Schlaf, Antrieb und Alltag beeinträchtigt sind, kann eine depressive Erkrankung vorliegen. Dann ist es wichtig, die Beschwerden fachlich abklären zu lassen, statt ausschließlich nach einer psychologischen Erklärung zu suchen.
Ist meine Traurigkeit ein Gefühl, das sich im Laufe der Zeit verändert oder bestimmt sie zunehmend, wie ich meinen Alltag und mich selbst erlebe?
Ist es wirklich Traurigkeit, die ich empfinde?
Nicht jedes unangenehme Gefühl lässt sich leicht voneinander unterscheiden. Was wir zunächst als Traurigkeit beschreiben, kann sich bei genauerem Hinsehen sehr unterschiedlich anfühlen.
Traurigkeit kann mit dem Wunsch nach Trost, Nähe oder Rückzug verbunden sein. Niedergeschlagenheit wird dagegen häufig als Schwere erlebt, die sich über den ganzen Tag legt. Innere Anspannung kann sich als Unruhe bemerkbar machen, ohne dass wir unmittelbar erkennen, was uns beschäftigt.
Auch Enttäuschung, Einsamkeit oder Ärger können sich hinter dem allgemeinen Gefühl verbergen, traurig zu sein. Gefühle treten zudem nicht immer einzeln auf. Wir können jemanden vermissen und zugleich wütend auf ihn sein. Erleichterung empfinden und dennoch traurig über eine Veränderung sein.
Es geht dabei nicht darum, für jedes Gefühl die richtige Bezeichnung zu finden. Schon die Wahrnehmung kleiner Unterschiede kann helfen, das eigene Erleben genauer kennenzulernen.
Wenn ich meine Traurigkeit beschreiben müsste, ohne das Wort „traurig“ zu verwenden: Wie würde sie sich anfühlen? Eher wie Schwere, Sehnsucht, Enttäuschung, Unruhe oder etwas ganz anderes?
Abschließender Gedanke
Ein Gefühl verliert nicht an Bedeutung, nur weil wir es nicht erklären können.
Es kann verunsichern, traurig zu sein, ohne zu wissen, weshalb. Wir suchen nach einem Anlass, einer Erinnerung oder einem Zusammenhang, der verständlich macht, was in uns vorgeht.
Doch nicht jede Traurigkeit lässt sich auf ein einzelnes Ereignis zurückführen. Und nicht immer finden wir eine Antwort auf die Frage, warum wir gerade so empfinden.
Wir dürfen traurig sein, ohne unsere Traurigkeit begründen zu müssen. Wir dürfen uns Trost wünschen, auch wenn wir nicht sagen können, was uns fehlt. Und wir dürfen Unterstützung suchen, ohne zuvor verstanden zu haben, woher unser Gefühl kommt.
Wir müssen nicht immer wissen, warum wir traurig sind, um ernst zu nehmen, dass wir es sind.
Ich habe das Gefühl, mich selbst verloren zu haben.
Mein Leben geht weiter wie bisher. Aber ich erkenne mich darin immer weniger wieder.
Sie gehen Ihrem Alltag nach, treffen Entscheidungen, übernehmen Verantwortung und tun vieles von dem, was schon lange zu Ihrem Leben gehört. Nach außen hat sich möglicherweise wenig verändert. Und dennoch ist Ihnen das Gefühl, ganz Sie selbst zu sein, auf eigentümliche Weise fremd geworden.
Vielleicht gibt es Augenblicke, in denen Sie sich fragen, wann sich dieses Gefühl verändert hat. Sie erinnern sich daran, wie selbstverständlich Sie früher bestimmte Dinge getan oder empfunden haben. Heute fällt es Ihnen schwerer, sich darin wiederzuerkennen.
Besonders irritierend kann sein, dass Sie Ihr Leben nicht unbedingt als unglücklich erleben. Vieles ist vertraut, manches schätzen Sie nach wie vor. Und doch ist eine Distanz zu sich selbst entstanden, die sich nicht ohne Weiteres erklären lässt.
Wie kommt es, dass wir uns selbst fremd werden können, obwohl uns unser eigenes Leben weiterhin vertraut ist?
Psychologische Perspektiven
Wenn Anpassung viel Raum einnimmt
Wir bewegen uns täglich zwischen unterschiedlichen Erwartungen. Im Beruf sollen wir zuverlässig sein, in Beziehungen aufmerksam, in der Familie verantwortungsvoll. Dabei entwickeln wir Fähigkeiten, die uns helfen, mit anderen zusammenzuleben und unseren Alltag zu gestalten.
Die Psychoanalytikerin Karen Horney beschäftigte sich in Neurosis and Human Growth (1950) damit, wie Menschen unter dem Einfluss innerer und äußerer Erwartungen ein idealisiertes Bild ihrer selbst entwickeln können. Je stärker sie versuchen, diesem Bild zu entsprechen, desto schwieriger kann es werden, die eigenen Empfindungen und Bedürfnisse als etwas Eigenständiges wahrzunehmen.
Anpassung ist dabei nicht grundsätzlich problematisch. Sie ermöglicht Beziehungen und gesellschaftliches Zusammenleben. Doch wenn wir über lange Zeit vor allem darauf achten, wer wir sein sollten, kann die Frage in den Hintergrund treten, wie wir uns selbst tatsächlich erleben.
Gibt es Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die ich von mir erwarte, obwohl sie sich längst nicht mehr wie ein Teil von mir anfühlen?
Wenn vertraute Rollen nicht mehr passen
Wir beschreiben uns häufig über die Rollen, die wir in unserem Leben einnehmen: als Partnerin oder Partner, Elternteil, berufstätiger Mensch, Freund oder Freundin. Solche Rollen geben Orientierung. Sie vermitteln Zugehörigkeit und helfen uns, ein Bild davon zu entwickeln, wer wir sind.
Rollen entstehen nicht nur aus eigenen Entscheidungen. Sie werden auch durch Beziehungen, familiäre Erwartungen und gesellschaftliche Vorstellungen geprägt, etwa davon, was eine gute Mutter, ein verlässlicher Partner oder ein erfolgreicher Mensch ist. Je selbstverständlicher eine Rolle geworden ist, desto schwerer lässt sich manchmal unterscheiden, welche Seiten davon wirklich zu uns gehören.
Eine Rolle kann uns lange entsprechen und später dennoch zu eng werden. Wir erfüllen weiterhin die damit verbundenen Aufgaben, während sich unser Verhältnis zu ihnen verändert. Das kann verunsichern, besonders wenn andere Menschen uns nach wie vor so sehen, wie sie uns schon lange kennen.
In welchen Rollen erkenne ich mich noch wieder und welche beschreiben vor allem, wer ich einmal war oder für andere sein soll?
Wenn Entscheidungen schwerfallen
Manche Entscheidungen sind schwierig, weil ihre Folgen ungewiss sind. Andere werden gerade deshalb belastend, weil wir nicht mehr sicher wissen, woran wir uns bei ihnen orientieren sollen. Was früher selbstverständlich erschien, fühlt sich plötzlich weniger eindeutig an.
Der Psychoanalytiker Heinz Lichtenstein beschäftigte sich in The Dilemma of Human Identity (1977) mit der Frage, wie Menschen ein Gefühl von persönlicher Identität entwickeln und über Veränderungen hinweg bewahren. Er ging davon aus, dass unser Selbstverständnis von grundlegenden, häufig unbewussten Vorstellungen darüber geprägt ist, wer wir sind.
Aus dieser Perspektive können Entscheidungen auch deshalb schwerfallen, weil sie unser vertrautes Bild von uns selbst berühren. Eine Möglichkeit mag uns anziehen und zugleich nicht zu der Person passen, für die wir uns bisher gehalten haben. Dann geht es nicht nur darum, was wir tun möchten, sondern auch darum, ob wir uns erlauben können, anders zu sein als bisher.
Welche Möglichkeit fällt mir schwer in Betracht zu ziehen, weil sie nicht zu meinem bisherigen Bild von mir selbst passt?
Wenn eine neue Lebensphase beginnt
Es gibt Zeiten, in denen sich unser Leben verändert, ohne dass wir schon wissen, wer wir innerhalb dieser Veränderung sein werden. Kinder werden selbstständiger, berufliche Ziele verlieren an Bedeutung, Beziehungen entwickeln sich weiter oder bisherige Zukunftsvorstellungen verändern sich.
Der Psychoanalytiker Elliott Jaques beschrieb in Death and the Mid-Life Crisis (1965), dass die Lebensmitte eine Zeit tiefgreifender innerer Umorientierung sein kann. Wenn spürbar wird, dass nicht mehr alles möglich ist und die eigene Lebenszeit begrenzt ist, geraten vertraute Vorstellungen von sich selbst in Bewegung. Jaques verstand diese Krise nicht nur als Verlust, sondern auch als Möglichkeit, das eigene Leben bewusster zu gestalten.
Im Erwachsenenleben kann eine neue Lebensphase vertraute Antworten auf die Frage erschüttern, wer wir sind. Was bisher Orientierung gegeben hat, trägt möglicherweise nicht mehr in derselben Weise. Daraus muss nicht unmittelbar eine neue, klare Vorstellung von sich selbst entstehen.
Welche Vorstellung davon, wer ich bin, könnte ich gerade hinter mir lassen, ohne schon zu wissen, was an ihre Stelle tritt?
Sich selbst kennen und sich selbst spüren
Wenn wir gefragt werden, wer wir sind, können wir meist einiges über uns erzählen. Wir kennen unsere Lebensgeschichte, unsere Eigenschaften, unsere Interessen und die Entscheidungen, die uns geprägt haben.
Doch sich selbst zu kennen, ist nicht immer dasselbe, wie sich selbst zu spüren.
Es gibt Zeiten, in denen wir genau wissen, was wir normalerweise mögen, was uns wichtig ist und wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten. Trotzdem fühlen sich diese Dinge nicht mehr selbstverständlich nach uns selbst an.
Dabei kann es hilfreich sein, zwischen dem eigenen Selbstbild und dem unmittelbaren Erleben zu unterscheiden. Unser Selbstbild umfasst die Vorstellungen, die wir über uns entwickelt haben. Unser Selbsterleben beschreibt dagegen, wie wir uns im gegenwärtigen Augenblick wahrnehmen: ob wir uns mit unseren Empfindungen, Gedanken und Handlungen verbunden fühlen.
Beides muss nicht immer übereinstimmen. Wir können uns verändern, ohne dass unser bisheriges Bild von uns bereits mitgewachsen ist. Ebenso können wir über längere Zeit so handeln, wie wir es von uns gewohnt sind, während uns der persönliche Bezug dazu zunehmend verloren geht.
Wann fühle ich mich mir selbst besonders nah – nicht weil ich eine bestimmte Vorstellung von mir erfülle, sondern weil sich das, was ich tue und empfinde, tatsächlich nach mir anfühlt?
Abschließender Gedanke
Wer wir einmal waren, muss nicht bestimmen, wer wir heute sein dürfen.
Wenn wir das Gefühl haben, uns selbst verloren zu haben, entsteht häufig der Wunsch, zu etwas Vertrautem zurückzukehren. Zu einer Zeit, in der wir klarer wussten, was wir wollten, was uns wichtig war und wer wir zu sein glaubten.
Doch wir bleiben nicht dieselben Menschen. Erfahrungen verändern uns, Beziehungen hinterlassen Spuren, und manches, das früher selbstverständlich zu uns gehörte, verliert mit der Zeit seine Bedeutung.
Das bedeutet nicht, dass wir alles hinter uns lassen müssen, was uns einmal ausgemacht hat. Ebenso wenig müssen wir bereits wissen, wer wir stattdessen sein möchten.
Vielleicht geht es nicht darum, wieder die Person zu werden, die wir einmal waren, sondern darum, uns selbst in dem Menschen wiederzufinden, der wir heute sind.
Ich sehe für mich keine Perspektive mehr.
Die Zukunft erscheint mir leer oder aussichtslos. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass sich etwas verändern könnte.
Es gibt Zeiten, in denen die Zukunft nicht mehr wie ein Raum voller Möglichkeiten erscheint. Was Sie belastet, fühlt sich unveränderlich an. Vielleicht haben Sie bereits vieles versucht, ohne dass sich Ihre Situation spürbar verbessert hat. Oder Ihnen fehlt inzwischen die Kraft, sich weitere Schritte überhaupt vorzustellen.
Hoffnungslosigkeit kann das eigene Erleben stark einengen. Was früher denkbar war, erscheint unerreichbar. Selbst kleine Veränderungen können sich dann wie unüberwindbare Aufgaben anfühlen.
Wenn Hoffnung schwer vorstellbar wird
Wie wir unsere Zukunft einschätzen, hängt auch davon ab, wie es uns gegenwärtig geht. Unter starker psychischer Belastung kann es schwerfallen, sich andere Entwicklungen vorzustellen oder vorhandene Möglichkeiten wahrzunehmen.
Dass Sie im Moment keinen Ausweg erkennen, bedeutet jedoch nicht, dass es keinen gibt. Sie müssen auch nicht allein herausfinden, wie es weitergehen soll.
Unterstützung finden
Wenn Sie sich über längere Zeit hoffnungslos fühlen oder kaum noch eine Perspektive für sich erkennen, ist es wichtig, mit einem vertrauten Menschen, einer psychotherapeutischen oder ärztlichen Fachperson darüber zu sprechen. Sie müssen nicht warten, bis Ihre Belastung unerträglich wird.
Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, nehmen Sie diese bitte ernst und suchen Sie möglichst noch am selben Tag persönliche Unterstützung. Bei unmittelbarer Gefahr oder wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie sich schützen können, rufen Sie die 112. Bleiben Sie möglichst nicht allein und bitten Sie eine vertraute Person, bei Ihnen zu bleiben. Eine psychiatrische Notaufnahme ist ebenfalls eine Anlaufstelle; lassen Sie sich bei akuter Gefährdung begleiten oder rufen Sie die 112.
TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 – kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar.
Berliner Krisendienst: 030 390 63 10 – kostenlos, auf Wunsch anonym und telefonisch rund um die Uhr erreichbar (Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg; Nummern der übrigen Bezirke).
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117 – für dringende medizinische Hilfe außerhalb regulärer Sprechzeiten, sofern keine unmittelbare Lebensgefahr besteht.
Ein Gedanke zum Schluss
Sie müssen heute noch nicht wissen, wie Ihre Zukunft aussehen soll. Es reicht, wenn Sie mit dem, was Sie gerade erleben, nicht allein bleiben.
Zwischen menschlicher Erfahrung und psychischer Erkrankung
Wann verdient das, was ich erlebe, besondere Aufmerksamkeit?
Traurigkeit, Einsamkeit, innere Leere oder fehlende Freude können ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Sie können Ausdruck einer schwierigen Lebensphase sein, auf eine anhaltende psychische Belastung hinweisen oder im Zusammenhang mit einer Erkrankung auftreten.
Die Grenzen dazwischen sind nicht immer eindeutig. Entscheidend ist nicht allein, welches Gefühl wir erleben, sondern auch, wie lange es uns begleitet, wie stark wir darunter leiden und welche Veränderungen damit verbunden sind.
Drei unterschiedliche Perspektiven
Menschliches Erleben
Traurigkeit nach einem Verlust, Einsamkeit in einer Zeit des Umbruchs oder das Gefühl, vorübergehend die Orientierung verloren zu haben, gehören zum menschlichen Leben. Auch intensive und schmerzhafte Gefühle sind nicht automatisch Ausdruck einer Erkrankung.
Dass eine Erfahrung nachvollziehbar ist, bedeutet allerdings nicht, dass sie leicht auszuhalten sein muss.
Psychische Belastung
Nicht jede Belastung erfüllt die Kriterien einer psychischen Erkrankung. Dennoch kann sie das Leben erheblich erschweren. Sorgen nehmen viel Raum ein, Beziehungen werden anstrengender, die eigene Kraft lässt nach oder es gelingt kaum noch, sich von belastenden Erfahrungen zu erholen.
Auch ohne Diagnose kann es sinnvoll sein, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Niemand muss erst krank sein, damit das eigene Leiden Aufmerksamkeit verdient.
Mögliche psychische Erkrankung
Wenn Beschwerden anhalten, ausgeprägt sind oder gemeinsam mit weiteren Veränderungen auftreten, kann eine psychische Erkrankung vorliegen. Bei einer Depression können beispielsweise neben gedrückter Stimmung auch Interessenverlust, Freudlosigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten auftreten.
Ob eine Erkrankung vorliegt, lässt sich jedoch nicht aus einem einzelnen Gefühl oder einer Beschreibung auf dieser Webseite ableiten. Dafür braucht es eine fachliche diagnostische Einordnung, die das gesamte Erleben und die persönliche Lebenssituation berücksichtigt.
Diese drei Perspektiven sind keine festen Stufen, die jeder Mensch durchläuft. Sie sollen helfen, unterschiedliche Möglichkeiten der Einordnung sichtbar zu machen, ohne das eigene Erleben vorschnell festzulegen.
Weiterführende Informationen
Krankheitsbilder und Lebenskrisen verstehen
Depressionen, Trauer und Verlust
Nicht jede belastende Erfahrung ist Ausdruck einer psychischen Erkrankung. Traurigkeit, innere Leere, Einsamkeit oder das Gefühl, sich selbst fremd geworden zu sein, können zum menschlichen Leben gehören. Sie können mit Verlusten, Veränderungen oder schwierigen Lebensphasen verbunden sein, ohne dass eine Diagnose vorliegt.
Gleichzeitig können ähnliche Erfahrungen Teil einer psychischen Erkrankung sein. Entscheidend ist nicht allein, was wir empfinden, sondern auch, wie lange die Beschwerden bestehen, wie ausgeprägt sie sind und wie sehr sie unser Leben beeinträchtigen.
Die folgenden Informationen helfen, unterschiedliche Erfahrungen besser einzuordnen. Sie beschreiben psychische Erkrankungen und Lebenskrisen, ohne aus einzelnen Gefühlen unmittelbar auf eine Diagnose zu schließen.
Sie können eine persönliche diagnostische Abklärung nicht ersetzen, aber dazu beitragen, die eigenen Erfahrungen und Fragen besser zu verstehen.
Depressionen verstehen
Wenn Traurigkeit, innere Leere oder Freudlosigkeit mehr werden als eine vorübergehende Erfahrung.
Was ist eine Depression?
Fast jeder Mensch kennt Zeiten, in denen er traurig, erschöpft oder mutlos ist. Solche Gefühle können auf belastende Ereignisse folgen, aber auch ohne erkennbaren Anlass auftreten. Sie gehören zunächst zum Spektrum menschlichen Erlebens.
Eine Depression unterscheidet sich davon nicht allein durch die Art der Gefühle. Entscheidend ist, dass bestimmte Veränderungen des Erlebens, Denkens und Handelns über längere Zeit bestehen, in ihrer Ausprägung über gewöhnliche Stimmungsschwankungen hinausgehen und häufig den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Menschen mit einer Depression beschreiben ihre Erfahrung sehr unterschiedlich. Manche erleben eine tiefe Traurigkeit, andere vor allem innere Leere oder das Gefühl, emotional kaum noch erreichbar zu sein. Was früher Freude gemacht hat, verliert an Anziehungskraft. Selbst alltägliche Aufgaben können ungewöhnlich viel Kraft kosten.
Eine Depression ist weder ein Zeichen persönlicher Schwäche noch ein Hinweis darauf, dass jemand sein Leben nicht ausreichend zu schätzen weiß. Sie ist eine psychische Erkrankung, die unterschiedliche Ursachen und Erscheinungsformen haben kann und für die wirksame Behandlungsmöglichkeiten bestehen.
Wie kann sich eine Depression zeigen?
Depressionen betreffen nicht nur die Stimmung. Sie können verändern, wie wir denken, unseren Körper wahrnehmen, Beziehungen erleben und unseren Alltag bewältigen.
Zu den häufigen Beschwerden gehören:
- Anhaltende Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder innere Leere
- Deutlich vermindertes Interesse oder fehlende Freude an Dingen, die früher wichtig waren
- Erschöpfung, verminderter Antrieb oder das Gefühl, selbst einfache Aufgaben kaum bewältigen zu können
- Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder Entscheidungen zu treffen
- Schlafstörungen oder ein deutlich verändertes Schlafbedürfnis
- Veränderungen des Appetits oder des Gewichts
- Ausgeprägte Selbstzweifel, Schuldgefühle oder das Gefühl, wertlos zu sein
- Innere Unruhe oder eine auffällige Verlangsamung
- Hoffnungslosigkeit, Gedanken an den Tod oder daran, sich das Leben zu nehmen
Nicht jeder Mensch erlebt alle diese Beschwerden. Auch ihre Intensität kann erheblich variieren.
Manche Menschen bleiben beruflich und familiär über längere Zeit handlungsfähig, obwohl sie innerlich stark leiden. Andere können ihren gewohnten Alltag kaum noch aufrechterhalten.
Dass jemand nach außen funktioniert, schließt eine Depression deshalb nicht aus.
Was unterscheidet Traurigkeit von einer Depression?
Traurigkeit ist eine menschliche Emotion. Sie kann mit Enttäuschungen, Verlusten oder Veränderungen verbunden sein und hilft uns mitunter, die Bedeutung einer Erfahrung wahrzunehmen.
Bei einer Depression ist häufig nicht nur ein einzelnes Gefühl betroffen. Auch die Fähigkeit, Freude zu empfinden, sich für etwas zu interessieren, Hoffnung zu entwickeln oder den Alltag zu gestalten, kann deutlich eingeschränkt sein.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Dauer und Ausprägung der Beschwerden. Für die diagnostische Einordnung einer depressiven Episode ist unter anderem bedeutsam, ob typische Symptome über mindestens zwei Wochen anhalten. Diese Zeitangabe allein reicht jedoch nicht aus, um eine Depression festzustellen oder auszuschließen.
Auch kürzer bestehende Beschwerden können erheblich belasten und Unterstützung erforderlich machen.
Traurigkeit und Depression schließen sich zudem nicht gegenseitig aus. Ein Mensch kann aufgrund eines Verlustes trauern und zugleich eine depressive Erkrankung entwickeln. Umgekehrt ist intensive Trauer für sich genommen keine Depression.
Die Unterscheidung erfordert deshalb immer einen Blick auf das gesamte Erleben und die persönliche Lebenssituation.
Warum entsteht eine Depression?
Eine Depression kann viele Ursachen haben. Doch nicht immer lässt sich ihr Beginn durch ein bestimmtes Ereignis erklären. Mitunter entwickelt sie sich in einer Lebensphase, in der äußerlich wenig auf eine Krise hindeutet. Gerade dann kann die Frage entstehen, weshalb ein Mensch so tiefgreifend leidet, obwohl er selbst keinen ausreichenden Grund dafür erkennen kann.
Nach heutigem Wissensstand entsteht eine Depression meist aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Dazu können eine erbliche und biologische Verletzlichkeit, frühe Lebenserfahrungen, anhaltende Belastungen oder einschneidende Ereignisse gehören, aber auch Denk- und Beziehungsmuster, die sich im Laufe des Lebens entwickelt haben. Welche Faktoren im Einzelfall bedeutsam sind, ist sehr unterschiedlich.
Die Psychoanalyse beschäftigt sich seit ihren Anfängen mit der Frage, welche inneren Prozesse zu depressivem Erleben beitragen können. Dabei richtet sich der Blick auch auf Gefühle, Wünsche und Konflikte, die uns selbst nicht vollständig bewusst sind.
Wenn sich Aggression gegen das eigene Selbst richtet
Sigmund Freud beschrieb in Trauer und Melancholie (1917) einen Gedanken, der für das psychoanalytische Verständnis der Depression grundlegend wurde: Gefühle, die ursprünglich einer wichtigen Bezugsperson gelten, können sich gegen die eigene Person wenden.
In bedeutsamen Beziehungen empfinden wir nicht ausschließlich Liebe, Zuneigung oder Dankbarkeit. Wir können auch enttäuscht, verletzt oder wütend sein. Solche widersprüchlichen Gefühle sind Teil menschlicher Beziehungen. Wenn es jedoch schwerfällt, Ärger oder Enttäuschung gegenüber einem geliebten Menschen wahrzunehmen, können diese Gefühle unter bestimmten inneren Bedingungen gegen das eigene Selbst gerichtet werden.
An die Stelle der Wut auf einen anderen Menschen treten dann möglicherweise quälende Selbstvorwürfe, Schuldgefühle oder eine tiefe Abwertung der eigenen Person.
Freud verstand diese Vorgänge im Zusammenhang mit Verlust, Identifizierung und einer konflikthaften inneren Beziehung zu einem geliebten Menschen. Seine Überlegungen beschreiben einen möglichen psychischen Mechanismus depressiven Leidens, nicht die Ursache jeder Depression.
Wenn Liebe und Enttäuschung schwer miteinander vereinbar sind
Melanie Klein entwickelte das psychoanalytische Verständnis depressiver Zustände weiter. In ihrer Arbeit über die depressive Position beschäftigte sie sich mit der Schwierigkeit, liebevolle und aggressive Gefühle gegenüber demselben Menschen innerlich miteinander zu verbinden. Die depressive Position bezeichnet bei Klein eine psychische Konstellation und Entwicklungsaufgabe, die im Leben erneut bedeutsam werden kann; sie ist nicht mit einer depressiven Erkrankung gleichzusetzen.
Wer einen anderen Menschen liebt, kann dennoch wütend auf ihn sein, ihn enttäuschend finden oder sich zeitweise von ihm abwenden wollen. Wenn diese Ambivalenz als bedrohlich erlebt wird, können ausgeprägte Schuldgefühle und die Sorge entstehen, durch die eigenen aggressiven Regungen etwas Wertvolles beschädigt zu haben.
Aus dieser Perspektive kann depressives Erleben auch mit der inneren Schwierigkeit zusammenhängen, Widersprüche in wichtigen Beziehungen auszuhalten, ohne sich selbst dafür zu verurteilen.
Wenn der eigene Wert von unerreichbaren Ansprüchen abhängt
Nicht jedes depressive Leiden steht vor allem im Zeichen von Verlust oder Schuld. Bei manchen Menschen tritt eine andere Erfahrung in den Vordergrund: das Gefühl, niemals gut genug zu sein.
Der Psychoanalytiker Sidney Blatt unterschied in seinen Arbeiten zwei grundlegende Formen depressiver Verletzlichkeit. Die eine ist stärker mit zwischenmenschlicher Abhängigkeit, Trennungsängsten und der Furcht verbunden, wichtige Beziehungen zu verlieren. Die andere kreist um Selbstkritik, hohe Ansprüche und das Erleben persönlichen Versagens.
Menschen, deren Selbstwert stark davon abhängt, bestimmten Vorstellungen von sich selbst zu entsprechen, können besonders verletzlich werden, wenn sie diese Ansprüche nicht erfüllen. Was von außen wie ein gewöhnlicher Misserfolg erscheint, kann innerlich die Bedeutung eines umfassenden persönlichen Scheiterns annehmen.
Was bedeutet das für das Verständnis einer Depression?
Diese psychoanalytischen Konzepte beschreiben unterschiedliche Möglichkeiten, depressives Erleben zu verstehen. Sie sind keine allgemeingültigen Erklärungen und erlauben es nicht, aus einzelnen Symptomen auf bestimmte unbewusste Konflikte zu schließen.
Es handelt sich um klinisch-theoretische Modelle. Manche von ihnen wurden auch empirisch untersucht, etwa Blatts Unterscheidung zwischen beziehungsbezogener und selbstkritischer Verletzlichkeit. Sie können die individuelle Verständigung unterstützen, ersetzen aber keine Diagnostik.
Auch körperliche Voraussetzungen und Lebensbedingungen können an der Entstehung einer Depression beteiligt sein. Zu einer sorgfältigen Abklärung gehört deshalb auch der Blick auf mögliche körperliche Ursachen; je nach Situation können weitere Behandlungsmaßnahmen sinnvoll sein.
Eine psychoanalytische Betrachtung interessiert sich jedoch nicht allein dafür, wodurch eine Depression ausgelöst wurde. Sie fragt auch danach, welche Bedeutung das depressive Erleben innerhalb der persönlichen Geschichte eines Menschen haben könnte.
Denn zwei Menschen können ähnliche depressive Beschwerden entwickeln und dennoch mit sehr unterschiedlichen inneren Konflikten, Beziehungserfahrungen und Vorstellungen von sich selbst ringen.
Wie wird eine Depression festgestellt?
Eine Depression wird nicht anhand eines einzelnen Gefühls oder eines kurzen Selbsttests diagnostiziert.
In einem diagnostischen Gespräch werden unter anderem die Art, Dauer und Ausprägung der Beschwerden, ihre Auswirkungen auf den Alltag, frühere Erkrankungen und die gegenwärtige Lebenssituation berücksichtigt.
Dabei ist auch wichtig, andere mögliche Erklärungen einzubeziehen. Beispielsweise können körperliche Erkrankungen, Medikamente, Substanzkonsum oder andere psychische Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen.
Besondere Bedeutung hat die Frage, ob es neben depressiven Phasen auch Zeiten ungewöhnlich gehobener oder gereizter Stimmung mit deutlich gesteigertem Antrieb und vermindertem Schlafbedürfnis gegeben hat. Solche Erfahrungen können auf eine bipolare Erkrankung hinweisen und sind für die Behandlungsplanung wichtig.
Fragebögen können eine diagnostische Einschätzung unterstützen. Eine fachliche Beurteilung ersetzen sie nicht.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Depressionen sind behandelbar. Welche Unterstützung geeignet ist, hängt unter anderem vom Schweregrad, der bisherigen Krankheitsgeschichte, möglichen Begleiterkrankungen und den persönlichen Bedürfnissen ab.
Psychotherapie ist eine wichtige Behandlungsmöglichkeit. Unterschiedliche wissenschaftlich untersuchte Verfahren können dabei helfen, depressive Beschwerden zu lindern und die zugrunde liegenden Belastungen besser zu bewältigen. Für mehrere Verfahren ist die Wirksamkeit bei Depressionen gut belegt, darunter die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle Psychotherapie und die psychodynamische Psychotherapie.
In einer psychodynamischen oder psychoanalytisch orientierten Behandlung können beispielsweise wiederkehrende Beziehungserfahrungen, innere Konflikte, Selbstwertprobleme oder schwer zugängliche Gefühle zum Gegenstand der gemeinsamen Arbeit werden.
Bei einer ersten leichten depressiven Episode werden zunächst niedrigschwellige Angebote empfohlen, etwa beratende Gespräche oder angeleitete Online-Programme. Halten die Beschwerden an oder nehmen sie zu, kommt eine Psychotherapie infrage.
Bei mittelschweren Depressionen kommen Psychotherapie oder eine medikamentöse Behandlung infrage. Bei schweren Depressionen wird in der Regel eine Kombination aus Psychotherapie und antidepressiver Medikation empfohlen. Die Entscheidung wird gemeinsam getroffen und berücksichtigt auch persönliche Präferenzen und mögliche Gegenanzeigen.
Bei schweren Depressionen können weitere Behandlungsformen und intensivere Versorgungsangebote notwendig werden, beispielsweise eine tagesklinische oder stationäre Behandlung.
Entscheidend ist, dass die Behandlung zur individuellen Situation passt und gemeinsam mit qualifizierten Fachpersonen geplant wird.
Wann sollte ich Unterstützung suchen?
Eine fachliche Abklärung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Erschöpfung oder andere depressive Beschwerden über längere Zeit bestehen, sich verstärken oder den Alltag beeinträchtigen.
Sie müssen jedoch nicht erst einen bestimmten Schweregrad erreichen, bevor Sie Hilfe in Anspruch nehmen dürfen.
Eine erste Anlaufstelle kann die hausärztliche Praxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde sein.
Wenn Gedanken auftreten, sich das Leben zu nehmen, suchen Sie bitte möglichst noch am selben Tag persönliche Unterstützung. Bei unmittelbarer Gefahr oder wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie sich schützen können, wählen Sie die 112. Bleiben Sie möglichst nicht allein; bitten Sie eine vertraute Person, bei Ihnen zu bleiben. Eine psychiatrische Notaufnahme ist ebenfalls eine Anlaufstelle; lassen Sie sich bei akuter Gefährdung begleiten oder rufen Sie die 112.
Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 111 0 111 kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar.
In Berlin ist außerdem der Berliner Krisendienst telefonisch rund um die Uhr erreichbar, für Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg unter 030 390 63 10. Die Nummern der übrigen Bezirke finden Sie beim Berliner Krisendienst.
Ein abschließender Gedanke
Eine Depression verändert nicht nur, wie wir uns fühlen. Sie kann auch verändern, was wir über uns selbst und unsere Zukunft für möglich halten.
Gerade deshalb kann es schwerfallen, sich vorzustellen, dass die gegenwärtige Erfahrung nicht dauerhaft bestehen bleiben muss.
Depressive Gedanken und Gefühle können sehr überzeugend wirken. Sie sind jedoch nicht zwangsläufig eine verlässliche Beschreibung der eigenen Person, des eigenen Wertes oder der Möglichkeiten, die das Leben noch bereithält.
Sie müssen Ihre Depression nicht allein verstehen oder überwinden. Unterstützung in Anspruch zu nehmen, kann ein wichtiger Teil der Veränderung sein.
Trauer, Verlust und Lebenskrisen verstehen
Warum uns nicht nur der Verlust eines Menschen, sondern auch Veränderungen, Abschiede und unerfüllte Hoffnungen tief berühren können.
Was bedeutet es, etwas zu verlieren?
Wenn wir von Trauer sprechen, denken wir häufig an den Tod eines Menschen, der uns nahestand. Doch Verlusterfahrungen können viele Formen annehmen.
Eine Beziehung endet. Eine Freundschaft verändert sich. Eine Lebensphase geht zu Ende, die lange unser Selbstverständnis geprägt hat. Eine erhoffte Zukunft wird unwahrscheinlich oder unmöglich. Auch der Verlust von Gesundheit, Sicherheit oder vertrauten Lebensbedingungen kann tiefgreifende Trauer auslösen.
Nicht jeder Verlust ist von außen erkennbar. Manche Veränderungen werden von anderen sogar als positiv wahrgenommen, während sie für uns mit einem schmerzlichen Abschied verbunden sind.
Ein beruflicher Neuanfang kann beispielsweise neue Möglichkeiten eröffnen und zugleich bedeuten, eine vertraute Umgebung zurückzulassen. Wenn Kinder selbstständiger werden, kann das mit Stolz und Freude verbunden sein, aber auch mit dem Abschied von einer bisherigen Form des Zusammenlebens.
Trauer entsteht nicht ausschließlich dort, wo etwas Schlechtes geschehen ist. Sie kann auch Ausdruck davon sein, dass etwas für uns von Bedeutung war.
Wie kann sich Trauer anfühlen?
Trauer ist keine einzelne Emotion. Sie kann sehr unterschiedliche, mitunter widersprüchliche Gefühle umfassen.
Neben Schmerz und Sehnsucht können Wut, Schuldgefühle, Erleichterung, Angst oder innere Leere auftreten. Manche Menschen weinen häufig, andere erleben zunächst kaum Gefühle. Wieder andere bemerken ihre Trauer vor allem in körperlicher Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder einem veränderten Schlaf.
Auch die Intensität kann schwanken. Es gibt Stunden, in denen der Verlust alles zu bestimmen scheint, und andere, in denen Freude, Interesse oder Nähe zu anderen Menschen möglich sind.
Diese Unterschiede bedeuten nicht, dass jemand stärker oder weniger stark trauert.
Trauer folgt keinem einheitlichen Muster. Wie wir sie erleben, hängt unter anderem von der Bedeutung des Verlustes, unserer Lebensgeschichte, den Umständen des Geschehens und den Beziehungen ab, in denen wir leben.
Warum trauern wir manchmal um etwas, das wir kaum benennen können?
Nicht jeder Verlust lässt sich eindeutig beschreiben.
Wir können um eine Beziehung trauern, obwohl der andere Mensch weiterhin Teil unseres Lebens ist. Um eine Kindheit, die wir uns anders gewünscht haben. Oder um Möglichkeiten, die wir lange für selbstverständlich gehalten haben und die sich nun nicht mehr verwirklichen lassen.
Die Familientherapeutin und Forscherin Pauline Boss prägte den Begriff des uneindeutigen Verlustes (ambiguous loss). In ihrem gleichnamigen Werk von 1999 untersuchte sie Verlusterfahrungen, bei denen Anwesenheit und Abwesenheit, Gewissheit und Ungewissheit auf schmerzhafte Weise miteinander verbunden sein können.
Ein Mensch kann beispielsweise körperlich anwesend sein, während sich seine vertraute psychische Erreichbarkeit durch eine Demenzerkrankung stark verändert hat. Umgekehrt kann eine Person vermisst sein, während sie für ihre Angehörigen psychisch weiterhin gegenwärtig ist und ungewiss bleibt, ob sie zurückkehrt.
Solche Erfahrungen lassen sich häufig schwer abschließen, weil nicht eindeutig feststeht, was verloren ist und was weiterhin besteht.
Andere Veränderungen, etwa unerfüllte Lebenswünsche, können ebenfalls Trauer auslösen. Sie sind jedoch nicht automatisch uneindeutige Verluste im engeren Sinn von Boss. Gemeinsam ist solchen Erfahrungen mitunter, dass erst allmählich deutlich wird, welcher Abschied damit verbunden ist.
Warum können auch gewünschte Veränderungen traurig machen?
Wir neigen dazu, Veränderungen danach zu beurteilen, ob sie erwünscht oder unerwünscht sind. Doch selbst Entscheidungen, die wir aus Überzeugung treffen, können mit Verlusten verbunden sein.
Wer eine belastende Beziehung beendet, kann die Trennung als richtig erleben und dennoch um gemeinsame Erinnerungen, vertraute Gewohnheiten oder unerfüllte Hoffnungen trauern.
Wer eine neue Lebensphase beginnt, kann sich auf das Kommende freuen und zugleich das Vergangene vermissen.
Solche Gefühle widersprechen einander nicht. Eine Entscheidung kann richtig gewesen sein und dennoch schmerzen.
Schwierig wird es häufig dann, wenn wir uns diese Traurigkeit nicht zugestehen. Weil wir selbst die Veränderung wollten. Weil andere sich für uns freuen. Oder weil wir glauben, mit dem Erreichten zufrieden sein zu müssen.
Dabei müssen wir einen Verlust nicht bereuen, um ihn betrauern zu dürfen.
Muss Trauer bestimmte Phasen durchlaufen?
Häufig begegnet uns die Vorstellung, Trauer verlaufe in festgelegten Phasen, die nacheinander durchlaufen werden müssen.
Solche Modelle können einzelnen Menschen helfen, Erfahrungen zu beschreiben. Sie sind jedoch keine allgemeingültige Abfolge, an der sich gesunde Trauer messen ließe.
In der heutigen Trauerforschung wird stärker berücksichtigt, dass Menschen unterschiedlich trauern und sich ihre Gefühle im Laufe der Zeit verändern können.
Die Psychologin Margaret Stroebe und der Psychologe Henk Schut entwickelten 1999 das duale Prozessmodell der Trauerbewältigung. Es beschreibt den Wechsel zwischen verlustorientierter Bewältigung und der Auseinandersetzung mit Anforderungen und Veränderungen des Alltags nach einem Todesfall. Dazu können neue Aufgaben, Rollen und Beziehungen gehören; auch zeitweilige Entlastung von der unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Verlust hat darin Raum.
An einem Tag steht möglicherweise die Erinnerung im Vordergrund. An einem anderen gelingt es, sich neuen Aufgaben zuzuwenden, Freude zu erleben oder Abstand vom Schmerz zu gewinnen.
Beides kann Teil der Trauer sein.
Es ist deshalb nicht notwendig, sich ständig mit dem Verlust zu beschäftigen. Ebenso wenig bedeutet eine zeitweilige Hinwendung zum Alltag, dass die Trauer bereits abgeschlossen wäre.
Was geschieht mit einer Beziehung, wenn ein Mensch gestorben ist?
Der Tod beendet die Möglichkeit, eine Beziehung in ihrer bisherigen Form fortzusetzen. Er bedeutet jedoch nicht, dass die innere Beziehung zu diesem Menschen verschwindet.
Erinnerungen, gemeinsame Erfahrungen, Werte oder vertraute Vorstellungen können weiterhin Bedeutung haben.
In der Trauerforschung wird dieser Gedanke unter dem Begriff fortbestehende Bindungen (continuing bonds) untersucht. Er geht auf das gleichnamige Buch von Dennis Klass, Phyllis Silverman und Steven Nickman (1996) zurück.
Für manche Menschen ist es tröstlich, sich an gemeinsame Rituale zu erinnern, gedanklich mit der verstorbenen Person verbunden zu bleiben oder etwas von ihr im eigenen Leben weiterzutragen.
Andere brauchen zunächst Abstand von Erinnerungen oder empfinden bestimmte Formen des Gedenkens als belastend.
Es gibt keinen allgemeingültigen Weg, eine Beziehung nach einem Todesfall innerlich weiterzuführen.
Trauer muss nicht bedeuten, einen Menschen zu vergessen oder die Verbindung zu ihm vollständig aufzugeben. Sie kann auch damit verbunden sein, dieser Beziehung unter veränderten Bedingungen einen neuen Platz im eigenen Leben zu geben.
Was ist eine Lebenskrise?
Von einer Lebenskrise sprechen wir, wenn bisherige Möglichkeiten, mit Belastungen umzugehen, vorübergehend nicht mehr ausreichen und vertraute Vorstellungen von uns selbst oder unserem Leben infrage geraten.
Eine Krise kann durch ein plötzliches Ereignis entstehen: eine Trennung, den Verlust des Arbeitsplatzes, eine Erkrankung oder den Tod eines nahestehenden Menschen.
Sie kann sich aber auch allmählich entwickeln. Beispielsweise wenn wir über längere Zeit merken, dass eine Lebenssituation nicht mehr zu unseren Bedürfnissen passt, ohne bereits eine Alternative zu erkennen.
In solchen Phasen können Unsicherheit, Traurigkeit, Angst, Wut oder Orientierungslosigkeit auftreten.
Eine Lebenskrise ist nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Sie kann jedoch erheblichen Leidensdruck verursachen und unter bestimmten Umständen mit der Entwicklung psychischer Beschwerden einhergehen.
Nicht jede Krise führt zu persönlichem Wachstum oder einer positiven Veränderung. Solche Erwartungen können zusätzlichen Druck erzeugen, besonders wenn Menschen zunächst damit beschäftigt sind, ihren Alltag überhaupt zu bewältigen.
Wann wird Trauer zu einer behandlungsbedürftigen Belastung?
Intensive Trauer kann über lange Zeit bestehen, ohne dass deshalb eine psychische Erkrankung vorliegt.
Besonders nach dem Tod eines nahestehenden Menschen können Schmerz, Sehnsucht und wiederkehrende Erinnerungen noch nach Jahren spürbar sein.
Entscheidend ist nicht allein, wie lange jemand trauert. Auch die Intensität, der Verlauf, die persönliche Lebenssituation und die Auswirkungen auf den Alltag sind bedeutsam.
Bei manchen Menschen entwickelt sich nach einem Todesfall eine anhaltende Trauerstörung. Sie ist unter anderem durch eine intensive, fortbestehende Sehnsucht nach der verstorbenen Person oder eine starke gedankliche Beschäftigung mit ihr gekennzeichnet, verbunden mit weiteren erheblich belastenden Beschwerden und Einschränkungen.
Die diagnostischen Kriterien berücksichtigen auch die seit dem Todesfall vergangene Zeit und kulturelle Zusammenhänge. Nach der ICD-11 muss die Trauerreaktion ungewöhnlich lange bestehen und die für den jeweiligen sozialen und kulturellen Kontext erwartbare Dauer deutlich überschreiten; mindestens sechs Monate seit dem Todesfall sind dabei ein zeitliches Kriterium. Das amerikanische Klassifikationssystem DSM-5-TR setzt bei Erwachsenen mindestens zwölf Monate an.
Eine anhaltende Trauerstörung darf nicht allein aufgrund intensiver Traurigkeit oder einer langen Trauerzeit angenommen werden.
Auch depressive Erkrankungen, Angststörungen oder traumabezogene Beschwerden können im Zusammenhang mit Verlusten auftreten. Sie müssen fachlich voneinander unterschieden werden.
Worin unterscheiden sich Trauer und Depression?
Trauer und Depression können sich in einzelnen Beschwerden ähneln. Beide können mit Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Erschöpfung und Rückzug verbunden sein.
Bei Trauer stehen häufig der Verlust und die Beziehung zu dem Verlorenen im Mittelpunkt. Schmerzliche Gefühle können in Wellen auftreten, etwa durch Erinnerungen oder bestimmte Situationen ausgelöst werden und sich mit anderen Gefühlen abwechseln.
Bei einer Depression kann sich die Niedergeschlagenheit dagegen umfassender auf das Erleben der eigenen Person, des Alltags und der Zukunft auswirken. Häufig kommen eine deutlich verminderte Fähigkeit, Freude zu empfinden, ausgeprägte Selbstabwertung oder Hoffnungslosigkeit hinzu.
Diese Unterschiede sind keine starren Regeln. Trauer kann sehr umfassend und anhaltend sein, während depressive Beschwerden ebenfalls schwanken können.
Beides kann zudem gleichzeitig auftreten.
Ob eine depressive Erkrankung oder eine anhaltende Trauerstörung vorliegt, lässt sich deshalb nicht allein anhand einzelner Merkmale entscheiden.
Welche Unterstützung kann bei Trauer und Lebenskrisen helfen?
Nicht jede Trauer braucht eine psychotherapeutische Behandlung.
Für viele Menschen sind vertraute Beziehungen, Gespräche, gemeinsames Erinnern oder die Unterstützung durch Angehörige und Freunde bedeutsam.
Auch Trauergruppen, Beratungsstellen oder Angebote der Hospizarbeit können hilfreich sein. Sie bieten einen Raum, in dem Verlusterfahrungen ausgesprochen werden können, ohne dass eine bestimmte Form oder Dauer der Trauer erwartet wird.
Psychotherapeutische Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn die Belastung sehr ausgeprägt ist, über längere Zeit erheblich beeinträchtigt oder mit weiteren psychischen Beschwerden einhergeht.
In einer Psychotherapie kann es darum gehen, die persönliche Bedeutung des Verlustes zu verstehen, widersprüchlichen Gefühlen Raum zu geben oder einen Umgang mit Veränderungen zu entwickeln, die das bisherige Selbstverständnis erschüttert haben.
Bei einer diagnostizierten anhaltenden Trauerstörung kommen insbesondere darauf ausgerichtete psychotherapeutische Behandlungen infrage.
Entscheidend ist nicht, dass ein Mensch möglichst schnell wieder funktioniert. Unterstützung sollte ihm helfen, mit seiner veränderten Lebenssituation einen eigenen Umgang zu finden.
Wann sollte ich mir Hilfe suchen?
Es kann sinnvoll sein, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, wenn Trauer oder eine Lebenskrise über längere Zeit mit erheblichem Leidensdruck verbunden sind, der Alltag zunehmend schwerfällt oder das Gefühl entsteht, mit der Situation nicht mehr zurechtzukommen.
Auch wenn Sie keine eindeutige Erklärung für Ihre Belastung haben, dürfen Sie sich an eine Beratungsstelle, eine ärztliche Praxis oder eine psychotherapeutische Fachperson wenden.
Wenn Sie sich anhaltend hoffnungslos fühlen, suchen Sie bitte persönliche Unterstützung. Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sich möglichst noch am selben Tag Hilfe. Bei unmittelbarer Gefahr oder wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie sich schützen können, wählen Sie die 112 und bleiben Sie möglichst nicht allein.
Ein abschließender Gedanke
Nicht jeder Abschied ist sichtbar. Und nicht jeder Verlust lässt sich eindeutig benennen.
Wir können um Menschen trauern, um Beziehungen, um Möglichkeiten und um Vorstellungen davon, wie unser Leben einmal aussehen sollte.
Nicht alles, was verloren geht, lässt sich ersetzen. Und nicht jede Veränderung muss im Rückblick einen Sinn ergeben.
Doch auch das, was nicht mehr da ist, kann Teil unserer Lebensgeschichte bleiben, ohne unsere Gegenwart vollständig bestimmen zu müssen.
Trauer bedeutet nicht immer, etwas hinter sich zu lassen. Sie kann auch bedeuten, einen Weg zu finden, mit dem weiterzuleben, was uns verändert hat.
Quellen und fachliche Einordnung
Ausgewählte Quellen zu den fachlich sensiblen Aussagen und den Hilfsangeboten. Stand der Onlineprüfung: 24. Oktober 2026. Die psychoanalytischen Texte dienen als theoretische Bezugspunkte; sie sind keine Belege für eine allgemeine Ursache einzelner Beschwerden. Historische Jahreszahlen beziehen sich, soweit angegeben, auf die Originalausgaben.
Depression und Behandlung. Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3 (2022). Diagnostik, Schweregrad und Behandlungsempfehlungen. Quelle öffnen
Anhaltende Trauerstörung. WHO, ICD-11, 6B42. Zeitkriterium, kultureller Kontext und erhebliche Beeinträchtigung müssen gemeinsam berücksichtigt werden. Quelle öffnen
Freud. Freud, S. (1917). Trauer und Melancholie. Die Aussage über die unbewusste Bedeutung des Verlustes gehört bei Freud zum Verständnis der Melancholie. Quelle öffnen
Klein. Klein, M. (1940). Mourning and its relation to manic-depressive states. Ergänzend: Neid und Dankbarkeit (1957). Die depressive Position ist keine klinische Diagnose. Quelle öffnen
Alice Miller. Miller, A. (1979). The drama of the gifted child and the psycho-analyst’s narcissistic disturbance. International Journal of Psychoanalysis, 60, 47–58. Zeitgenössische Primärarbeit zur Anpassung an elterliche Bedürfnisse. Quelle öffnen
Pauline Boss. Boss, P. und Greenberg, J. (1984). Family Boundary Ambiguity: A New Variable in Family Stress Theory. Family Process, 23, 535–546. Ergänzend: Ambiguous Loss (1999). Körperliche und psychische Anwesenheit können auseinanderfallen. Quelle öffnen
Stroebe und Schut. Stroebe, M. und Schut, H. (1999). The Dual Process Model of Coping with Bereavement: Rationale and Description. Death Studies, 23, 197–224. Quelle öffnen
Winnicott. Winnicott, D. W. Playing and Reality (1971); deutsche Erstausgabe Vom Spiel zur Kreativität (1973). Bibliografischer Nachweis der deutschen Ausgabe. Quelle öffnen
Psychotherapeutische Sprechstunde. 116117 / Kassenärztliche Bundesvereinigung. Zugang und Terminvermittlung ohne Überweisung für die erste Sprechstunde. Quelle öffnen
Depressionshilfe. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Informationsangebote, Telefonnummer und Sprechzeiten. Quelle öffnen
Trauerbegleitung. Ambulantes Caritas-Hospiz Berlin. Kostenfreie Trauercafés; Anmeldung laut Anbieter nicht erforderlich. Quelle öffnen
Krisenhilfe in Berlin. Berliner Krisendienst. Regionale Öffnungszeiten und die eingeschränkte Funktion des Dienstes werktags von 8 bis 16 Uhr. Quelle öffnen
TelefonSeelsorge. Kostenlose und anonyme Hilfe rund um die Uhr; die Telefonnummer wurde über den verbundenen Hilfetelefon-Dienst geprüft. Quelle öffnen
Psychotherapie bei Depression. Cuijpers, P. u. a. (2021). Psychotherapies for depression: a network meta-analysis covering efficacy, acceptability and long-term outcomes of all main treatment types. World Psychiatry, 20(2), 283–293. Quelle öffnen
Jaques. Jaques, E. (1965). Death and the Mid-Life Crisis. International Journal of Psycho-Analysis, 46, 502–514. Quelle öffnen
Fortbestehende Bindungen. Klass, D., Silverman, P. R. und Nickman, S. L. (Hrsg.) (1996). Continuing Bonds: New Understandings of Grief. Quelle öffnen
Selbsthilfe in Berlin. SEKIS – Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle. Telefonnummer laut Berliner Hilfelotse. Quelle öffnen
Trauerberatung in Berlin. Zentrale Anlaufstelle Hospiz. Telefon und Sprechzeiten laut Anbieter. Quelle öffnen
Trauer nach Suizid. AGUS – Angehörige um Suizid e. V., Bundesgeschäftsstelle. Quelle öffnen
Anderen Spuren folgen
Weitere Gedanken und Erfahrungen entdecken
Vielleicht möchten Sie einem der anderen Wege dieser Themenwelt folgen: fehlender Freude, dem Gefühl innerer Unstimmigkeit, Einsamkeit, schwer erklärbarer Traurigkeit oder der Frage, sich selbst verloren zu haben.
Verbindungen innerhalb dieser Themenwelt
- Innere Leere ↔ fehlende Freude: Wenn Gefühle oder positive Erfahrungen schwer erreichbar werden.
- Innere Leere ↔ Einsamkeit: Wenn trotz sozialer Kontakte wenig Verbundenheit erlebt wird.
- Äußerlich alles gut ↔ sich selbst verloren: Wenn äußere Lebensumstände und eigene Bedürfnisse auseinanderfallen.
- Traurigkeit ↔ Verlust: Wenn Gefühle mit Veränderungen oder Abschieden verbunden sein könnten.
- Fehlende Freude ↔ Perspektivlosigkeit: Wenn positive Erwartungen an die Gegenwart und Zukunft nachlassen.
- Einsamkeit ↔ Selbstentfremdung: Wenn es schwerfällt, sich selbst und anderen mit den eigenen Bedürfnissen zu begegnen.
Verbindungen zu anderen Themenwelten
- Wenn Beziehungen schwierig werden: Nähe, Distanz und wiederkehrende Beziehungserfahrungen. (in Vorbereitung)
- Wenn ich mir selbst nicht genüge: Selbstwert, Scham und innere Ansprüche. (in Vorbereitung)
- Wenn die Kraft nachlässt: Erschöpfung, Rückzug und fehlende Energie. (in Vorbereitung)
- Wenn Vergangenes nicht vergeht: Belastende Erfahrungen, Verluste und Erinnerungen. (in Vorbereitung)
- Wenn ich mich selbst nicht verstehe: Innere Widersprüche, Identität und Selbstwahrnehmung. (in Vorbereitung)
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Vertiefende Informationen finden Sie unter „Depressionen verstehen“ und „Trauer, Verlust und Lebenskrisen verstehen“.
Unterstützung finden
Von der Sprechstunde bis zu Krisenhilfe
Sie müssen nicht alles allein verstehen.
Ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen kann helfen, Gedanken zu ordnen und dem eigenen Erleben Worte zu geben. Wenn belastende Gefühle anhalten, sich verstärken oder das Leben zunehmend beeinträchtigen, kann es sinnvoll sein, darüber hinaus Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Dafür gibt es unterschiedliche Wege.
Psychotherapeutische Sprechstunde
Eine psychotherapeutische Sprechstunde bietet Raum, Beschwerden fachlich einzuordnen und zu klären, welche Unterstützung oder Behandlung geeignet sein könnte.
Gesetzlich Versicherte können einen Termin über die 116117 oder online über den Terminservice vereinbaren. Für die psychotherapeutische Sprechstunde ist keine Überweisung erforderlich.
Terminservice für psychotherapeutische Sprechstunden
Hausärztliche Abklärung
Bei anhaltender Erschöpfung, Veränderungen des Schlafs oder Antriebs sowie anderen neu aufgetretenen Beschwerden kann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll sein. Auch körperliche Erkrankungen und Medikamente können das seelische Erleben beeinflussen.
Beratung bei Depression, Trauer und Lebenskrisen
Nicht jede belastende Erfahrung erfordert eine Psychotherapie. Spezialisierte Beratungsangebote können helfen, sich zu informieren, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu kommen oder weitere Unterstützung zu finden.
Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
Informationen für Menschen mit depressiven Beschwerden und ihre Angehörigen, auch zu Behandlungsmöglichkeiten und regionalen Hilfsangeboten.
Kostenloses Info-Telefon: 0800 33 44 533. Sprechzeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag 13–17 Uhr, Mittwoch und Freitag 8.30–12.30 Uhr. Das Angebot dient der Information über Depression und ersetzt keine akute Krisenhilfe.
Selbsthilfe in Berlin – SEKIS
Die Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle SEKIS informiert über Selbsthilfegruppen in Berlin, auch für Menschen mit Depressionen und ihre Angehörigen, und vermittelt Kontakte. Telefon: 030 890 285 31.
Trauerbegleitung in Berlin – Ambulantes Caritas-Hospiz
Kostenfreie Trauercafés bieten Menschen nach dem Tod einer nahestehenden Person die Möglichkeit, mit anderen Trauernden ins Gespräch zu kommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Trauerberatung in Berlin – Zentrale Anlaufstelle Hospiz
Die Zentrale Anlaufstelle Hospiz berät zu Sterben, Tod und Trauer und gibt einen Überblick über Trauerangebote in ganz Berlin. Telefon: 030 407 111 13 (Montag und Mittwoch 9–13 und 16–18 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Freitag 9–13 Uhr).
Nach einem Suizid – AGUS e. V.
AGUS (Angehörige um Suizid) bietet Selbsthilfegruppen für Menschen, die einen nahestehenden Menschen durch Suizid verloren haben – unabhängig davon, wie lange der Verlust zurückliegt. Bundesgeschäftsstelle: 0921 150 03 80.
Psychotherapie in meiner Praxis
Wer sich mit dem eigenen Erleben, wiederkehrenden Beziehungserfahrungen oder inneren Konflikten eingehender beschäftigen möchte, kann dies im Rahmen einer Psychotherapie tun.
In meiner Praxis in Berlin-Kreuzberg arbeite ich psychoanalytisch und tiefenpsychologisch fundiert. Informationen zu meiner Arbeitsweise, den Behandlungsmöglichkeiten und der Kontaktaufnahme finden Sie auf den entsprechenden Seiten.
Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden
Wenn Sie befürchten, sich etwas anzutun, suchen Sie bitte unmittelbar Unterstützung. Bei unmittelbarer Gefahr oder wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie sich schützen können, wählen Sie die 112. Bleiben Sie möglichst nicht allein und bitten Sie eine vertraute Person, bei Ihnen zu bleiben.
- Notruf 112: Bei unmittelbarer Selbstgefährdung oder anderen lebensbedrohlichen Notfällen.
- Berliner Krisendienst – 030 390 63 10: Kostenlose, auf Wunsch anonyme Unterstützung bei psychosozialen und seelischen Krisen in Berlin. Die Nummer gilt für Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg; außerhalb der regionalen Öffnungszeiten erreichen Sie darüber den Dienst für ganz Berlin. Telefonisch rund um die Uhr erreichbar. Persönliche Beratung täglich von 16 bis 24 Uhr am regionalen Standort, nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen auch tagsüber im überregionalen Dienst. Werktags von 8 bis 16 Uhr gibt es nur Information und Weitervermittlung. Berliner Krisendienst – Telefonnummern und Standorte
- TelefonSeelsorge – 0800 111 0 111: Kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar. Weitere Nummern: 0800 111 0 222 und 116 123. TelefonSeelsorge
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst – 116117: Für dringende medizinische Anliegen außerhalb regulärer Sprechzeiten, sofern keine unmittelbare Lebensgefahr besteht.
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