Themenwelt 2 von 10
Wenn Beziehungen schwierig werden
Wie wir Nähe erleben, was wir voneinander erhoffen und weshalb uns Beziehungen so tief berühren.
Wir erfahren früh, wie es sich anfühlt, wenn jemand auf uns eingeht.
Ob wir Trost finden, wenn wir Angst haben. Ob unsere Freude geteilt wird und auch unser Ärger einen Platz haben darf. In solchen Begegnungen lernen wir etwas über andere Menschen und zugleich über uns selbst: Bin ich willkommen? Ist das, was ich empfinde, für jemanden von Bedeutung? Darf ich etwas brauchen und darauf vertrauen, dass mir jemand entgegenkommt?
Wir entwickeln uns in Beziehungen. Sie prägen mit, wie sicher wir uns fühlen, welche Möglichkeiten wir für uns sehen und was wir vom Leben erwarten. Manche Begegnungen ermutigen uns, etwas zu wagen oder Seiten an uns zu entdecken, die bisher wenig Raum hatten. Andere hinterlassen Zweifel, die uns lange begleiten können.
Auch später berührt uns in Beziehungen häufig mehr als das, was gerade zwischen zwei Menschen geschieht. Eine ausbleibende Antwort kann die Angst wecken, nicht mehr wichtig zu sein. Ein liebevoll gemeinter Rat kann sich anfühlen, als traue uns jemand nichts zu. Und manchmal wünschen wir uns sehr, verstanden zu werden, während wir kaum zeigen können, was uns wirklich bewegt.
Dabei begegnen wir dem anderen Menschen mit seiner eigenen Geschichte, seinen Wünschen und Grenzen. Er kann uns überraschen, unseren Erwartungen widersprechen oder uns tatsächlich verletzen. Was wir miteinander erleben, entsteht im Zusammenspiel dessen, was jeder mitbringt, und dessen, wie wir einander heute begegnen.
Vielleicht liegt darin etwas von der Schwierigkeit und der besonderen Bedeutung von Beziehungen: Gerade dort, wo wir uns Verbundenheit wünschen, können wir uns besonders verletzlich fühlen. Wir möchten vertrauen und versuchen, uns zu schützen. Wir suchen Nähe und wollen zugleich wir selbst bleiben.
Auf den folgenden Wegen können Sie unterschiedlichen Seiten dieses Erlebens nachgehen. Vielleicht erkennen Sie etwas von dem wieder, was Sie aus Ihren Beziehungen kennen. Vielleicht entsteht auch eine neue Frage danach, was Sie sich von anderen wünschen und was zwischen Ihnen immer wieder schwierig wird.
Was davon kommt Ihnen bekannt vor?
Sie können mehrere Aussagen auswählen. Ihre Auswahl wird nicht bewertet und dient nur dazu, passende Gedanken und Perspektiven anzuzeigen.
Ich wünsche mir Nähe, aber sie wird mir schnell zu viel.
Ich sehne mich nach Verbundenheit. Doch wenn jemand mir näherkommt, brauche ich Abstand.
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Ich habe Angst, verlassen zu werden.
Schon kleine Veränderungen im Kontakt können mich verunsichern. Dann fällt es mir schwer, darauf zu vertrauen, dass unsere Beziehung bestehen bleibt.
Meine Eifersucht lässt mich nicht zur Ruhe kommen.
Jemand anderes bekommt deine Aufmerksamkeit, und plötzlich bin ich nicht mehr sicher, welchen Platz ich bei dir habe.
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Ich erlebe in Beziehungen immer wieder ähnliche Enttäuschungen.
Am Anfang scheint vieles anders. Und irgendwann finde ich mich in einem Gefühl wieder, das ich nur zu gut kenne.
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Ich weiß nicht, ob ich bleiben oder gehen möchte.
Manchmal scheint mir eine Trennung unausweichlich. Dann erleben wir wieder etwas miteinander, das mich zweifeln lässt, ob ich wirklich gehen will.
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Es fällt mir schwer, Beziehungen einzugehen oder aufrechtzuerhalten.
Ich wünsche mir Verbindung. Doch manchmal fühle ich mich erst wieder sicher, wenn niemand etwas von mir erwartet.
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Zwischen Beziehungsschwierigkeiten und psychischer Belastung
Wann verdient das, was ich in Beziehungen erlebe, besondere Aufmerksamkeit?
Meinungsverschiedenheiten, Unsicherheit und unterschiedliche Bedürfnisse gehören zu Beziehungen. Auch in einer vertrauten Verbindung können wir uns zeitweise unverstanden fühlen, aneinandergeraten oder mehr Abstand brauchen.
Entscheidend ist unter anderem, ob solche Erfahrungen besprochen werden können, ob beide mit ihren Bedürfnissen Raum finden und ob nach einer Verletzung wieder Annäherung möglich wird.
Dabei lohnt ein genauer Blick: Passen Sie sich zunehmend an, um Konflikte zu vermeiden? Ziehen Sie sich von Freundschaften und eigenen Interessen zurück? Zweifeln Sie dauerhaft daran, ob Ihre Bedürfnisse berechtigt sind? Wenn Konflikte sich festfahren, Angst das Miteinander zunehmend bestimmt oder eigene Grenzen kaum noch gewahrt werden können, verdient die Belastung Aufmerksamkeit. Anhaltendes Grübeln, Schlafprobleme oder Beeinträchtigungen im Alltag können ebenfalls ein Anlass sein. Sie dürfen sich Unterstützung holen, auch wenn Sie noch nicht einordnen können, was Sie erleben.
Wie frühere Beziehungserfahrungen nachwirken können, lesen Sie unter „Beziehungsmuster und psychische Erkrankungen verstehen“. Dabei geht es nicht darum, Schuld bei sich zu suchen oder verletzendes Verhalten zu rechtfertigen. Verstehen bedeutet nicht, etwas hinnehmen zu müssen, das Ihnen schadet.
Wenn Angst, Kontrolle oder Gewalt die Beziehung bestimmen
Wenn Sie bedroht, erniedrigt, überwacht, zu sexuellen Handlungen gedrängt oder körperlich verletzt werden, stehen Ihr Schutz und Ihre Sicherheit im Vordergrund. Eine unabhängige, spezialisierte Beratung kann helfen, die Situation einzuschätzen und nächste Schritte zu finden. Sie müssen weder zuerst die Beweggründe des anderen Menschen verstehen noch die Situation gemeinsam mit ihm klären.
Hilfe bei Gewalt, Kontrolle und Bedrohung
- BIG-Hotline gegen häusliche Gewalt (Berlin): 030 611 03 00, täglich rund um die Uhr erreichbar. Die Beratung richtet sich an Frauen, die häusliche Gewalt erleben, und an Angehörige und Unterstützende. Sie ist vertraulich und auf Wunsch anonym, bei Bedarf wird in andere Sprachen vermittelt (big-hotline.de)
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016, telefonisch rund um die Uhr erreichbar, anonym und kostenfrei. Eine geschützte E-Mail- und Chat-Beratung ist ebenfalls verfügbar (hilfetelefon.de)
- Hilfetelefon „Gewalt an Männern“: 0800 123 99 00, Montag bis Donnerstag 8 bis 20 Uhr, Freitag 8 bis 15 Uhr, anonym und kostenfrei. E-Mail-Beratung und Sofort-Chat sind ebenfalls möglich (maennerhilfetelefon.de)
- WEISSER RING, Opfer-Telefon: 116 006, täglich 7 bis 22 Uhr, anonym und kostenfrei, mit persönlicher Begleitung durch örtliche Außenstellen (weisser-ring.de)
In akuter Gefahr: Polizei 110
Weitere Beratungsangebote, auch für Paare, finden Sie unter „Unterstützung finden“.
Weiterführende Informationen
Beziehungsmuster und psychische Erkrankungen verstehen
Wie Beziehungserfahrungen nachwirken und welche Rolle psychische Erkrankungen spielen können.
Wiederkehrende Beziehungsmuster verstehen
In Beziehungen begegnen wir einander mit Wünschen, Hoffnungen und Befürchtungen. Wir entwickeln Vorstellungen davon, wie verlässlich andere sind, was wir von ihnen erwarten dürfen und was wir glauben, tun zu müssen, um geliebt oder angenommen zu werden.
Aus psychodynamischer Sicht kann es hilfreich sein zu erkunden, wie solche Erwartungen in gegenwärtigen Beziehungen wirksam werden. Was geschieht beispielsweise, wenn wir Distanz bemerken? Können wir Ärger zeigen, ohne sofort um die Beziehung zu fürchten? Und wie viel Eigenständigkeit fühlt sich mit Nähe vereinbar an?
Dabei geht es auch darum, genau hinzusehen, wie der andere Mensch uns heute tatsächlich begegnet. Frühere Erfahrungen erklären nicht jede gegenwärtige Schwierigkeit.
Wann können psychische Erkrankungen eine Rolle spielen?
Beziehungsschwierigkeiten sind für sich genommen keine psychische Erkrankung. Sie können jedoch erheblichen Leidensdruck verursachen und mit psychischen Beschwerden zusammenhängen. Der Zusammenhang kann in beide Richtungen wirken: Eine Trennung oder eine anhaltende Beziehungskrise kann mit depressiven Beschwerden, Ängsten oder einer Anpassungsstörung verbunden sein, und umgekehrt können bestehende Beschwerden die Beziehung zusätzlich belasten.
Ausgeprägte und überdauernde Schwierigkeiten im Umgang mit sich selbst und anderen können auch im Zusammenhang mit einer Persönlichkeitsstörung auftreten. Einzelne Erfahrungen wie Eifersucht, Verlustangst oder Rückzug erlauben eine solche Einordnung jedoch nicht. Dafür braucht es eine sorgfältige fachliche Abklärung. Ein psychotherapeutisches Gespräch kann helfen, das eigene Erleben einzuordnen und zu klären, welche Unterstützung sinnvoll sein könnte.
Wie wir Beziehungen gestalten, hängt auch damit zusammen, wie wir uns selbst und andere erleben. Weiterführende Informationen können helfen, persönliche Eigenarten, wiederkehrende Schwierigkeiten und mögliche psychische Erkrankungen besser einzuordnen.
Persönlichkeit und Beziehung verstehen
Wie wir Nähe erleben, mit starken Gefühlen umgehen und was uns in Beziehungen trägt.
Quellen und fachliche Einordnung
Winnicott 1958. Winnicott, D. W. (1958). The Capacity to be Alone. International Journal of Psycho-Analysis, 39, 416–420.
Benjamin. Benjamin, J. (2018). Beyond Doer and Done To: Recognition Theory, Intersubjectivity and the Third. London und New York: Routledge.
Bowlby. Bowlby, J. (1969). Attachment and Loss, Band 1: Attachment. London: Hogarth Press. Deutsch: Bindung (1975).
Kernberg. Kernberg, O. F. (1995). Love Relations: Normality and Pathology. New Haven: Yale University Press. Deutsch: Liebesbeziehungen. Normalität und Pathologie (1998).
Winnicott 1953. Winnicott, D. W. (1953). Transitional Objects and Transitional Phenomena. International Journal of Psycho-Analysis, 34, 89–97. Deutsch in: Vom Spiel zur Kreativität (1973).
Winnicott 1967. Winnicott, D. W. (1967). The Location of Cultural Experience. International Journal of Psycho-Analysis, 48(3). Auch in: Playing and Reality (1971), Kapitel 7. Deutsch in: Vom Spiel zur Kreativität (1973).
Freud 1926. Freud, S. (1926). Hemmung, Symptom und Angst. Wien: Internationaler Psychoanalytischer Verlag. Gesammelte Werke, Band XIV.
Horney 1945. Horney, K. (1945). Our Inner Conflicts: A Constructive Theory of Neurosis. New York: Norton. Deutsch: Unsere inneren Konflikte.
Kohut. Kohut, H. (1977). The Restoration of the Self. New York: International Universities Press. Deutsch: Die Heilung des Selbst (1979).
Coan 2006. Coan, J. A., Schaefer, H. S. und Davidson, R. J. (2006). Lending a Hand: Social Regulation of the Neural Response to Threat. Psychological Science, 17(12), 1032–1039. Quelle öffnen
Coan 2017. Coan, J. A., Beckes, L., Gonzalez, M. Z., Maresh, E. L., Brown, C. L. und Hasselmo, K. (2017). Relationship status and perceived support in the social regulation of neural responses to threat. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 12(10), 1574–1583. Quelle öffnen
Chasseguet-Smirgel. Chasseguet-Smirgel, J. (1975). L’idéal du moi. Essai psychanalytique sur la « maladie d’idéalité ». Paris: Tchou. Englisch: The Ego Ideal (1985).
Britton. Britton, R. (1989). The missing link: parental sexuality in the Oedipus complex. In J. Steiner (Hrsg.), The Oedipus Complex Today: Clinical Implications. London: Karnac.
Freud 1922. Freud, S. (1922). Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homosexualität. Gesammelte Werke, Band XIII.
Klein 1957. Klein, M. (1957). Envy and Gratitude. London: Tavistock. Deutsch: Neid und Dankbarkeit.
Muise 2009. Muise, A., Christofides, E. und Desmarais, S. (2009). More Information than You Ever Wanted: Does Facebook Bring Out the Green-Eyed Monster of Jealousy? CyberPsychology & Behavior, 12(4), 441–444. Quelle öffnen
Bollas. Bollas, C. (1987). The Shadow of the Object: Psychoanalysis of the Unthought Known. London: Free Association Books.
Fairbairn. Fairbairn, W. R. D. (1952). Psychoanalytic Studies of the Personality. London: Tavistock Publications.
Luborsky. Luborsky, L. und Crits-Christoph, P. (1998). Understanding Transference: The Core Conflictual Relationship Theme Method. 2. Auflage. Washington, DC: American Psychological Association.
Wachtel. Wachtel, P. L. (2014). Cyclical Psychodynamics and the Contextual Self: The Inner World, the Intimate World, and the World of Culture and Society. New York: Routledge. Quelle öffnen
Klein 1935. Klein, M. (1935). A Contribution to the Psychogenesis of Manic-Depressive States. International Journal of Psycho-Analysis, 16, 145–174.
Winnicott 1963. Winnicott, D. W. (1963). The Development of the Capacity for Concern. Bulletin of the Menninger Clinic, 27. Auch in: The Maturational Processes and the Facilitating Environment (1965).
Ruszczynski. Ruszczynski, S. (Hrsg.) (1993). Psychotherapy with Couples: Theory and Practice at the Tavistock Institute of Marital Studies. London: Karnac.
Guntrip. Guntrip, H. (1968). Schizoid Phenomena, Object-Relations and the Self. London: Hogarth Press.
Horney 1950. Horney, K. (1950). Neurosis and Human Growth: The Struggle Toward Self-Realization. New York: Norton. Deutsch: Neurose und menschliches Wachstum.
Sullivan. Sullivan, H. S. (1953). The Interpersonal Theory of Psychiatry. New York: Norton.
McWilliams. McWilliams, N. (2006). Some Thoughts about Schizoid Dynamics. Psychoanalytic Review, 93.
Riemann. Riemann, F. (1961). Grundformen der Angst. Eine tiefenpsychologische Studie. München: Ernst Reinhardt Verlag. Quelle öffnen
OPD. Arbeitskreis OPD und Benecke, C. (Hrsg.). OPD-3: Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik. Bern: Hogrefe, 2. Auflage 2024. Quelle öffnen
ICD-11. World Health Organization (2024). Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders (CDDR). Quelle öffnen
NICE. National Institute for Health and Care Excellence. Borderline personality disorder: recognition and management (CG78). Quelle öffnen
Anderen Spuren folgen
Weitere Gedanken und Erfahrungen entdecken
Vielleicht möchten Sie einem der anderen Wege dieser Themenwelt folgen: dem Wunsch nach Nähe, die schnell zu viel wird, der Angst, verlassen zu werden, der Eifersucht, sich wiederholenden Enttäuschungen, der Frage, ob Sie bleiben oder gehen möchten, oder der Schwierigkeit, überhaupt in Beziehung zu kommen.
Verbindungen innerhalb dieser Themenwelt
- Nähe wird zu viel ↔ Angst, verlassen zu werden: Wenn der Wunsch nach Nähe und die Sorge, sie zu verlieren, nah beieinander liegen, manchmal in einem Menschen, manchmal verteilt auf zwei.
- Angst, verlassen zu werden ↔ Eifersucht: Wenn sich die Frage, ob wir wichtig bleiben, an einer dritten Person festmacht.
- Angst, verlassen zu werden ↔ ähnliche Enttäuschungen: Wenn wir viel übernehmen, um die Verbindung zu sichern, und uns damit am Ende allein fühlen.
- Ähnliche Enttäuschungen ↔ bleiben oder gehen: Wenn sich etwas wiederholt und die Frage entsteht, ob sich in dieser Beziehung noch etwas verändern kann.
- Eifersucht ↔ Beziehungen eingehen: Wenn wir uns an einem Bild messen, wie wir sein müssten, um liebenswert zu sein.
- Nähe wird zu viel ↔ Beziehungen eingehen: Wenn die Sehnsucht nach Verbindung und das Bedürfnis nach eigenem Raum zusammengehören.
Passende Blogartikel
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Zum Weiterlesen
Vertiefende Informationen finden Sie unter „Beziehungsmuster und psychische Erkrankungen verstehen“ und „Persönlichkeit und Beziehung verstehen“.
Unterstützung finden
Einzelgespräche, Paarberatung und Hilfe in Krisen
Ein Gespräch kann helfen, genauer wahrzunehmen, was in einer Beziehung geschieht und was Sie selbst brauchen. Psychotherapeutische Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn wiederkehrende Konflikte, Verlustängste oder Schwierigkeiten mit Nähe und Abgrenzung Sie stark belasten.
Sie müssen dafür weder bereits eine Diagnose haben noch entschieden haben, ob Sie eine Beziehung fortsetzen möchten. Auch diese Unsicherheit darf Ausgangspunkt einer gemeinsamen Auseinandersetzung sein.
Dafür gibt es unterschiedliche Wege.
Bei psychischen Beschwerden: Psychotherapie über die Krankenkasse
Psychotherapie als Einzeltherapie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Voraussetzung ist eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Beziehungsthemen können dabei sehr wohl im Zentrum stehen, tragen die Kostenübernahme aber nicht allein.
Psychotherapeutische Sprechstunde: der erste Schritt. Eine psychotherapeutische Sprechstunde bietet Raum, Beschwerden fachlich einzuordnen und zu klären, welche Unterstützung oder Behandlung geeignet sein könnte. Sie eignet sich auch, wenn Sie noch nicht wissen, ob eine Psychotherapie für Sie infrage kommt. Gesetzlich Versicherte können einen Termin über die 116117 oder online über den Terminservice vereinbaren. Eine Überweisung ist nicht erforderlich, die Kosten übernimmt die Kasse (Terminservice für psychotherapeutische Sprechstunden). Ein vermittelter Sprechstundentermin ist allerdings noch kein zugesicherter Therapieplatz. Die weitere Behandlung wird im Gespräch geplant und bei der Kasse beantragt.
Hausärztliche Abklärung. Bei anhaltender Erschöpfung, Veränderungen des Schlafs oder Antriebs sowie anderen neu aufgetretenen Beschwerden kann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll sein. Auch körperliche Erkrankungen und Medikamente können das seelische Erleben beeinflussen.
Bei Beziehungskonflikten: allein oder gemeinsam
Allein: Unterstützung zu suchen ist jederzeit möglich, auch ohne Diagnose und ohne dass Ihr Partner oder Ihre Partnerin einer Paarberatung zustimmt. Wenn bei Ihnen eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt, etwa eine Depression, die unter der Beziehungskrise entstanden ist, kann auch eine Einzeltherapie über die Krankenkasse der richtige Weg sein.
Als Paar: Paarberatung und Paartherapie werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, von privaten Versicherungen in der Regel ebenfalls nicht. Sie sind meist Selbstzahlerleistungen. Ein wichtiger Unterschied: Wenn einer von beiden wegen einer Erkrankung in Psychotherapie ist und die Erkrankung die Partnerschaft stark belastet, kann der andere in diese Einzeltherapie einbezogen werden.
Kostenlose und geförderte Angebote in Berlin: Die Erziehungs- und Familienberatungsstellen sind ein öffentlich finanziertes, kostenfreies Angebot für Eltern und Erziehungsberechtigte. Sie beraten ausdrücklich auch bei Familien- und Paarkonflikten sowie bei Trennung und Scheidung (Übersicht bei berlin.de). Für Erwachsene ohne Kinder gibt es Ehe-, Lebens- und Familienberatungsstellen verschiedener Träger. Manche sind kostenfrei, andere erheben einen Kostenbeitrag. Angebot und Kosten klären Sie am besten direkt vor Ort.
Psychotherapie in meiner Praxis
Wer sich mit dem eigenen Erleben, wiederkehrenden Beziehungserfahrungen oder inneren Konflikten eingehender beschäftigen möchte, kann dies im Rahmen einer Psychotherapie tun.
In meiner Praxis in Berlin-Kreuzberg arbeite ich psychoanalytisch und tiefenpsychologisch fundiert. Informationen zu meiner Arbeitsweise, den Behandlungsmöglichkeiten und der Kostenfrage finden Sie auf den entsprechenden Seiten: Meine Angebote, Honorare und Kostenerstattung, Kontakt.
Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden
Wenn Sie befürchten, sich etwas anzutun, suchen Sie bitte unmittelbar Unterstützung. Bei unmittelbarer Gefahr oder wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie sich schützen können, wählen Sie die 112. Bleiben Sie möglichst nicht allein und bitten Sie eine vertraute Person, bei Ihnen zu bleiben.
- Notruf 112: Bei unmittelbarer Selbstgefährdung oder anderen lebensbedrohlichen Notfällen.
- Berliner Krisendienst (030 390 63 10): Kostenlose, auf Wunsch anonyme Unterstützung bei seelischen Krisen. Die Nummer gilt für Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg; telefonisch rund um die Uhr erreichbar. Persönliche Beratung täglich von 16 bis 24 Uhr am regionalen Standort, nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen auch tagsüber im überregionalen Dienst. Werktags von 8 bis 16 Uhr nur telefonische Information und Weitervermittlung. Standorte und Nummern
- TelefonSeelsorge (0800 111 0 111): Kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar. Weitere Nummern: 0800 111 0 222 und 116 123. TelefonSeelsorge
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst (116117): Für dringende medizinische Anliegen außerhalb regulärer Sprechzeiten, sofern keine unmittelbare Lebensgefahr besteht.
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Fachlich geprüft am 30. Oktober 2026 von Rahel Simmenauer, Psychologische Psychotherapeutin.
Vielleicht wünschen Sie sich einen Menschen, bei dem Sie nicht alles erklären müssen. Der bemerkt, wie es Ihnen geht, und bei dem Sie sich auch mit dem zeigen können, was Sie sonst für sich behalten.
Doch je näher Sie einander kommen, desto deutlicher werden auch die Unterschiede. Sie möchten erzählen, während Ihr Gegenüber Ruhe braucht. Oder Ihr Gegenüber sucht Ihre Nähe, wenn Sie selbst gerade für sich sein möchten. Ausgerechnet dort, wo Sie sich verstanden fühlen wollten, müssen Sie erklären, um etwas bitten oder jemanden enttäuschen.
Vielleicht stellen Sie sich ganz auf den anderen Menschen ein und merken erst später, dass Ihre eigenen Wünsche kaum noch vorkommen. Oder Sie werden innerlich kritischer und zweifeln an der Beziehung.
Manchmal wird die Anspannung so groß, dass wir den anderen mit Worten verletzen, zurückweisen oder die Beziehung infrage stellen, obwohl uns die Verbindung viel bedeutet. Mit etwas Abstand lässt die Anspannung nach, und wir können wieder spüren, wie wichtig uns dieser Mensch ist.
Was wird dabei zu viel: die Nähe, die Angst vor Enttäuschung oder die Anstrengung, verbunden zu bleiben, wenn Sie Unterschiedliches brauchen?
Kann ich dir nahe sein, auch wenn du mich gerade nicht verstehst? Und kann ich bei mir bleiben, wenn du dir etwas anderes wünschst als ich?
Psychologische Perspektiven
Wenn ich in der Nähe den Kontakt zu mir verliere
Mitunter wird erst nach einer Begegnung deutlich, dass Sie eigentlich etwas anderes wollten. Sie haben einem Vorschlag zugestimmt, obwohl Sie lieber zu Hause geblieben wären. Sie haben zugehört, während Sie selbst etwas beschäftigt hat. Im Zusammensein schien es selbstverständlich, sich auf den anderen einzustellen. Erst später spüren Sie Unruhe, Erschöpfung oder Ärger.
Der Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott beschrieb, wie die Fähigkeit zum Alleinsein in der verlässlichen Gegenwart eines anderen Menschen wachsen kann (Winnicott, 1958). Auf Beziehungen zwischen Erwachsenen übertragen bedeutet das: eine Verbundenheit, in der Sie den Kontakt zum eigenen Erleben behalten dürfen, ohne fortwährend reagieren oder etwas erfüllen zu müssen.
Vielleicht brauchen Sie nicht weniger Nähe, sondern mehr Raum für sich, auch wenn jemand bei Ihnen ist. Abstand kann dann helfen, wieder zu spüren, was Sie selbst möchten. Manchmal erwarten Sie diese Anpassung von sich selbst. Manchmal lässt der andere Ihren Wünschen tatsächlich wenig Raum. Nähe wird anstrengend, sobald sie mit dem Gefühl verbunden ist, sich nach dem anderen richten zu müssen.
Kann ich mit jemandem zusammen sein, ohne mich ständig danach zu richten, was der andere gerade von mir braucht?
Wenn der andere anders ist, als ich es brauche
Es kann besonders wehtun, von einem vertrauten Menschen nicht verstanden zu werden. Vielleicht haben Sie sich überwunden, etwas Persönliches zu erzählen, und erhalten einen Rat, obwohl Sie sich gewünscht hätten, dass jemand einfach bei Ihnen bleibt. Oder der andere braucht Ruhe, während Sie gerade Zuwendung suchen. Sie wissen womöglich, dass Ihr Gegenüber Sie nicht verletzen möchte. Trotzdem fühlen Sie sich zurückgewiesen.
Die Psychoanalytikerin Jessica Benjamin beschreibt, wie wichtig es für Beziehungen ist, einander als eigenständige Menschen anzuerkennen, mit eigenen Gefühlen und Wünschen (Benjamin, 2018). Sie beschreibt auch, wie diese Anerkennung verloren gehen kann und ein Miteinander entsteht, in dem sich die Beteiligten zunehmend als Gegenspieler erleben.
Kann der andere mich lieben und trotzdem gerade etwas anderes brauchen? Darf ich enttäuscht sein, ohne dass einer von uns deshalb im Unrecht sein muss? Unterschiedliche Bedürfnisse sind allerdings etwas anderes als Abwertung oder das Übergehen Ihrer Grenzen. Mehr Nähe kann wieder entstehen, wenn beide aussprechen können, was ihnen fehlt, ohne den eigenen Wunsch aufgeben oder den anderen dazu bringen zu müssen, genauso zu empfinden.
Was geschieht in mir, wenn ein Mensch mir zugewandt ist und mir dennoch nicht das gibt, was ich gerade brauche?
Wenn mir jemand wichtig wird und ich mich verletzlich fühle
Solange eine Begegnung unverbindlich bleibt, kann sie sich leicht anfühlen. Doch irgendwann bemerken Sie, dass Sie auf eine Nachricht warten. Dass die Stimmung dieses Menschen Sie beschäftigt oder eine Absage Sie stärker trifft, als Sie erwartet hätten. Dieser Mensch hat eine Bedeutung bekommen, die Sie nicht mehr ganz selbst bestimmen können.
Der Psychiater und Psychoanalytiker John Bowlby beschäftigte sich damit, wie frühe Beziehungen unsere Erwartungen prägen (Bowlby, 1969): Kann ich darauf vertrauen, dass jemand für mich da ist, wenn ich Unterstützung brauche?
Vielleicht hängt der Wunsch nach Abstand auch damit zusammen, wie verletzlich Sie sich fühlen, seit Ihnen jemand wichtig geworden ist. Vielleicht fühlt sich Rückzug sicherer an: Wenn ich nicht zeige, wie wichtig du mir bist, mache ich mich weniger verletzlich. Zugleich kann so eine Verbindung auf Abstand gehalten werden, nach der man sich eigentlich sehnt.
Was wäre für mich daran schwer, einem anderen Menschen zu zeigen, dass ich ihn brauche?
Wenn Enttäuschung die ganze Beziehung infrage stellt
In einem angespannten Moment kann sich der Blick auf einen vertrauten Menschen stark verändern. Eine unbedachte Bemerkung oder eine ausgebliebene Antwort scheint plötzlich zu zeigen, dass man dem anderen doch nicht wichtig ist. Was vorher Nähe und Vertrauen gegeben hat, ist innerlich kaum noch erreichbar. Vielleicht werden wir dann verletzend, weisen den anderen zurück oder sprechen von Trennung. Später erschrecken wir vielleicht selbst, wie weit wir uns von diesem Menschen entfernt haben.
Der Psychoanalytiker Otto F. Kernberg untersucht, wie Liebe und Aggression in Paarbeziehungen zusammenwirken und wie frühere Beziehungserfahrungen darin weiterwirken können (Kernberg, 1995). Für ihn ist eine Fähigkeit zentral, die im Alltag leicht verloren geht: wütend auf jemanden zu sein und zugleich innerlich zu wissen, dass dieser Mensch einem viel bedeutet.
Bleibt im Ärger noch etwas von der Verbindung spürbar? Gelingt das vorübergehend kaum, kann der Impuls entstehen, die Beziehung selbst anzugreifen. Solche Momente verdienen Aufmerksamkeit, ohne dass daraus allein eine Diagnose folgt. Die eigene Verletzung zu verstehen und Verantwortung für verletzende Worte zu übernehmen, schließt sich nicht aus.
Kann ich mich von dir enttäuscht fühlen und zugleich noch spüren, was mich mit dir verbindet?
Wann tut Abstand gut und wann hält er uns voneinander fern?
Zeit für sich zu brauchen, kann auch in einer liebevollen Beziehung wichtig sein. Wir müssen nicht jede Erfahrung miteinander teilen oder jederzeit füreinander erreichbar sein. Abstand kann helfen, die eigenen Gedanken wieder zu hören und anschließend mit mehr Offenheit aufeinander zuzugehen.
Doch es kann sein, dass nach dem Rückzug etwas ungeklärt bleibt. Die Anspannung lässt nach, aber die Frage, was uns verletzt oder bedrängt hat, wird nicht mehr angesprochen. Sobald erneut Nähe entsteht, kehrt auch das Unbehagen zurück. Dann verschafft Abstand zwar Erleichterung, verändert aber wenig an dem, was zwischen uns schwierig geworden ist.
Es kann deshalb aufschlussreich sein, genauer hinzusehen: Was geschieht unmittelbar bevor ich mich zurückziehen möchte? Habe ich einem Wunsch zugestimmt, obwohl ich etwas anderes wollte? Fühle ich mich unter Druck gesetzt? Oder fällt es mir schwer, dem anderen zu zeigen, dass mich etwas getroffen hat?
Auch wie der andere auf meinen Wunsch nach Abstand reagiert, ist bedeutsam. Kann ich Zeit für mich beanspruchen, ohne dafür abgewertet, bedrängt oder bestraft zu werden? Gibt es die Möglichkeit, später auf das zurückzukommen, was uns beschäftigt?
Eine Veränderung kann damit beginnen, den Rückzug in Worte zu fassen: „Ich brauche gerade Zeit für mich. Über das, was passiert ist, möchte ich später mit dir sprechen.“ Dafür muss noch nicht alles verstanden sein. Entscheidend ist, ob neben dem Abstand auch ein Weg zurück ins Gespräch möglich bleibt.
Hilft mir der Abstand, wieder auf dich zugehen zu können, oder bleibt etwas zwischen uns, dem ich nur aus der Entfernung ausweichen kann?
Abschließender Gedanke
Vielleicht zeigt sich erst in der Nähe, wie schwer es manchmal ist, zugleich verbunden und ein eigener Mensch zu sein.
Es kann schmerzen, sich nach jemandem zu sehnen und seine Gegenwart dann kaum auszuhalten. Vielleicht richten sich Ihre Zweifel gegen den anderen, vielleicht gegen Sie selbst: Warum kann ich die Nähe nicht genießen, die ich mir gewünscht habe?
Sie müssen noch nicht entscheiden, was dieses Gefühl über Ihre Beziehung bedeutet. Zunächst kann es darum gehen, genauer wahrzunehmen, was im Zusammensein schwer wird. Welcher Wunsch bleibt unausgesprochen? Wann fühlen Sie sich bedrängt, wann enttäuscht? Und was lässt sich davon miteinander teilen?
Auch der andere wird Sie nicht immer verstehen. Doch vielleicht kann zwischen Ihnen Raum dafür entstehen, dass Sie Unterschiedliches empfinden, ohne dass die Verbindung gleich infrage stehen muss.
Wie viel von mir darf in unserer Nähe vorkommen, auch das, was du dir anders wünschst?
Die Beziehung besteht, und eigentlich gibt es keinen Grund zu zweifeln. Und doch kann sich die Möglichkeit, den anderen zu verlieren, erschreckend nah anfühlen.
Schon eine kleine Veränderung kann genügen. Eine Antwort bleibt aus, ein Abschied fällt knapper aus als sonst, Ihr Gegenüber wirkt mit den Gedanken woanders. Sie wissen nicht, was das bedeutet. Doch innerlich beginnt bereits etwas: Sie gehen das letzte Gespräch durch, suchen nach einem Hinweis und fragen sich, ob sich zwischen Ihnen etwas verändert hat.
Vielleicht können Sie sich zunächst beruhigen. Dann taucht der Zweifel wieder auf. Sie möchten nachfragen, hören, dass alles in Ordnung ist. Aber selbst eine liebevolle Antwort erreicht die Angst manchmal nur für kurze Zeit. Zugleich kann es Ihnen schwerfallen, erneut um Bestätigung zu bitten. Sie möchten den anderen nicht bedrängen und fürchten doch, etwas zu verlieren, wenn Sie einfach abwarten.
Was dabei auf dem Spiel steht, kann weit über die Beziehung hinausreichen.
Nicht jede Verlustangst entsteht aus einer unbegründeten Befürchtung. Es kann sein, dass Sie tatsächlich Unzuverlässigkeit, Rückzug oder eine drohende Trennung erleben. Die Angst kann aber auch dort bestehen bleiben, wo Ihnen ein Mensch verlässlich zugewandt ist. Entscheidend ist, wie viel Raum sie einnimmt und ob Sie neben ihr noch Vertrauen, eigene Wünsche und einen Alltag erleben können, der nicht ständig um den möglichen Verlust kreist.
Was fürchten Sie mit diesem Menschen zu verlieren?
Psychologische Perspektiven
Wenn wir die Verbindung immer wieder neu spüren müssen
Nach einem vertrauten Gespräch fühlen wir uns sicher. Wir wissen, dass wir dem anderen wichtig sind. Doch einige Stunden später, wenn wir allein sind und nichts von diesem Menschen hören, ist dieses Wissen merkwürdig weit entfernt. Wir erinnern uns an die Worte, aber das Gefühl, gemeint und geliebt zu sein, lässt sich kaum noch erreichen.
Der Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald W. Winnicott beschäftigte sich mit der Frage, wie Kinder Abwesenheit allmählich überbrücken können. Er beschrieb, dass das Gefühl, die Mutter sei da, bei einem kleinen Kind nur eine gewisse Zeit anhält. Bleibt sie länger fort, verblasst ihr inneres Bild. Kehrt sie bald zurück, lässt sich die Unruhe wieder beruhigen (Winnicott, 1967). Vertraute Gegenstände und Erfahrungen, die er Übergangsobjekte nannte, helfen dabei, solche Zeiten zu überbrücken. Sie gehören zu einem Entwicklungsprozess, in dem Trennung zunehmend ausgehalten werden kann (Winnicott, 1953).
Daran lässt sich für erwachsene Beziehungen die Frage anschließen, was uns hilft, Verbundenheit auch während einer Abwesenheit zu bewahren. Vielleicht brauchen wir dann immer wieder ein neues Zeichen von außen, weil die beruhigende Wirkung einer Begegnung innerlich nur kurz trägt. Eine Nachricht soll dann nicht bloß informieren. Sie soll etwas wieder spürbar machen, das uns gerade entglitten ist.
Was hilft uns, die Zuwendung eines Menschen auch dann noch zu spüren, wenn wir gerade nichts von ihm hören?
Wenn eine mögliche Trennung wie eine unmittelbare Gefahr wirkt
Zwischen der Vorstellung, verlassen zu werden, und dem Gefühl, es geschehe bereits, kann manchmal kaum Abstand liegen. Wir werden unruhig, können uns auf wenig anderes konzentrieren und möchten sofort etwas tun. Selbst wenn wir wissen, dass noch nichts entschieden ist, lässt sich die Angst durch vernünftige Überlegungen kaum beruhigen.
Sigmund Freud beschrieb in „Hemmung, Symptom und Angst“, wie Angst als Signal einer erwarteten Gefahr entstehen kann. Zu diesen Gefahren zählte er den Verlust einer wichtigen Person oder ihrer Liebe und die damit verbundene Hilflosigkeit. Seine Überlegungen richten den Blick darauf, was eine mögliche Trennung innerlich bedroht (Freud, 1926).
So kann eine gegenwärtige Unsicherheit Gefühle berühren, die uns aus früheren Erfahrungen vertraut sind. Wir fürchten dann vielleicht nicht allein den Abschied, sondern auch einen Zustand, in dem wir uns ohne Halt und unseren Gefühlen ausgeliefert erleben. Ob eine aktuelle Gefahr besteht und weshalb sie uns so tief erschüttert, sind dabei zwei Fragen, die beide Aufmerksamkeit verdienen.
Was erscheint uns an der möglichen Trennung am schwersten auszuhalten und was bliebe uns auch dann, das uns hält?
Wenn wir versuchen, unentbehrlich zu werden
Vielleicht kennen wir die Wünsche des anderen sehr genau. Wir bemerken die Stimmung unseres Gegenübers, nehmen Rücksicht und sind zur Stelle, wenn es etwas braucht. Eigene Enttäuschungen sprechen wir dagegen vorsichtig oder gar nicht an. Es fühlt sich sicherer an, verständnisvoll zu bleiben, als etwas zu verlangen, das den anderen verärgern könnte.
Die Psychoanalytikerin Karen Horney beschrieb in „Our Inner Conflicts“, wie Menschen durch ausgeprägte Anpassung und das Suchen nach Zuneigung versuchen können, zwischenmenschliche Unsicherheit zu bewältigen. In ihrer Theorie kann die Hinwendung zu anderen einen zwingenden Charakter bekommen: Zustimmung und Nähe werden dann so wichtig, dass eigene Wünsche kaum noch vertreten werden können (Horney, 1945).
Aus dieser Perspektive kann Fürsorge mit der stillen Hoffnung verbunden sein, dadurch vor dem Verlassenwerden geschützt zu sein. Gebraucht zu werden vermittelt Sicherheit. Zugleich bleibt vielleicht die schmerzliche Frage offen, ob wir auch dann willkommen wären, wenn wir weniger geben, widersprechen oder selbst Unterstützung brauchen.
Trauen wir der Beziehung auch dann Bestand zu, wenn wir den anderen enttäuschen oder ihm gerade nichts geben können?
Wenn der andere uns hilft, uns selbst zu spüren
Es gibt Zeiten, in denen wir uns erst durch die Zuwendung eines anderen Menschen sicherer mit uns selbst fühlen. Sein Interesse lässt uns spüren, dass wir etwas zu sagen haben. Sein Vertrauen macht uns etwas zuversichtlicher. In seiner Gegenwart finden wir Zugang zu einem Gefühl von eigenem Wert, das uns allein nur schwer erreichbar ist.
Der Psychoanalytiker Heinz Kohut beschrieb mit dem Begriff Selbstobjekt, wie andere Menschen wichtige Funktionen für unser Selbstgefühl übernehmen können. Ihre Anteilnahme, Bestätigung oder beruhigende Gegenwart tragen dazu bei, dass wir uns lebendig, wertvoll und innerlich zusammenhängend erleben. Solche Bedürfnisse gehören in seiner Theorie zum menschlichen Leben und bleiben auch im Erwachsenenalter bedeutsam (Kohut, 1977).
Wenn dieses innere Gefühl jedoch sehr verletzlich ist und stark von einem bestimmten Menschen getragen wird, kann schon eine kleine Veränderung seiner Zuwendung tief verunsichern. Wir vermissen dann nicht allein die Nähe dieses Menschen. Vielleicht fühlen wir uns plötzlich wertlos, leer oder kaum noch wie wir selbst. Die Angst, ihn zu verlieren, kann deshalb so dringlich werden: Mit ihm scheint auch der Halt verloren zu gehen, den wir in uns selbst gerade nicht finden.
Fürchte ich, mit dir auch das Gefühl für mich selbst zu verlieren, das ich in deiner Nähe finde?
Was die Nähe eines vertrauten Menschen verändern kann
Eine schwierige Situation kann erträglicher werden, sobald jemand bei uns ist. Das Problem besteht weiter. Doch eine vertraute Stimme oder eine Hand, die unsere hält, kann verändern, wie allein wir uns damit fühlen. Diese Alltagserfahrung haben Forschende auch experimentell untersucht.
In einer 2006 veröffentlichten Studie des Psychologen James Coan und seines Teams erwarteten 16 verheiratete Frauen während einer Hirnscan-Untersuchung möglicherweise einen elektrischen Reiz. Dabei hielten sie entweder die Hand ihres Ehemannes, die eines fremden Mannes oder keine Hand. Beim Handhalten mit dem Ehemann fiel die Aktivität in mehreren an der Bedrohungsverarbeitung beteiligten Hirnregionen geringer aus als ohne Handkontakt. Die Untersuchung war klein und auf eine besondere Situation begrenzt (Coan, Schaefer und Davidson, 2006).
Eine spätere Untersuchung mit 110 Teilnehmenden griff diesen Ansatz auf. Auch dort war das Handhalten mit einer vertrauten Person mit geringeren bedrohungsbezogenen Hirnreaktionen verbunden. Dabei machte es keinen Unterschied, ob es sich um eine Freundschaft, eine Partnerschaft oder eine Ehe handelte (Coan und Kollegen, 2017).
Diese Studien erklären nicht, weshalb ein bestimmter Mensch unter Verlustangst leidet. Sie zeigen jedoch, dass wir Belastungen je nach Beziehungssituation unterschiedlich verarbeiten können. Sich durch einen anderen Menschen beruhigen zu lassen, ist für sich genommen kein Zeichen mangelnder Selbstständigkeit.
Für unser Thema eröffnet sich daran eine weitere Frage: Was geschieht, wenn die Person, bei der wir Beruhigung finden, zugleich diejenige ist, um deren Zuwendung wir fürchten? Vielleicht suchen wir dann gerade bei ihr die Sicherheit, die uns durch eine Unsicherheit zwischen uns verloren gegangen ist. Eine Antwort kann entlasten, ohne die Angst auf Dauer zu lösen.
Hilfreich kann sein, gemeinsam genauer wahrzunehmen, welche Zuwendung trägt, wie Abwesenheit überbrückt werden kann und welche weiteren Beziehungen oder eigenen Erfahrungen uns Halt geben. So kann Sicherheit auf mehreren Wegen erreichbar werden.
Was hilft uns, uns getragen zu fühlen, und worauf können wir zurückgreifen, wenn dieser eine Mensch gerade nicht da sein kann?
Abschließender Gedanke
Die Angst, einen Menschen zu verlieren, kann Ihnen etwas davon zeigen, was Sie in seiner Nähe gefunden haben.
Vielleicht fühlen Sie sich mit diesem Menschen sicherer, lebendiger oder selbstverständlicher liebenswert. Wenn seine Zuwendung ungewiss wird, gerät deshalb manchmal mehr ins Wanken als die Beziehung allein.
Es kann Zeit brauchen, zu verstehen, was Sie daran so tief erschüttert: welche Befürchtungen zur gegenwärtigen Beziehung gehören, welche Sie schon länger begleiten und was Sie brauchen, um wieder Halt zu finden. Dabei dürfen Sie auch wahrnehmen, wie der andere Ihnen tatsächlich begegnet.
Wir müssen nicht unabhängig von Liebe werden. Doch vielleicht kann neben der Bedeutung dieses Menschen allmählich ein verlässlicheres Gefühl für uns selbst entstehen.
Dass du mir wichtig bist, darf bleiben. Und zugleich darf in meinem Leben mehr entstehen, das mich trägt.
Ein Name fällt häufiger. Eine Nachricht bringt den anderen zum Lächeln. Sie erleben eine Vertrautheit zwischen zwei Menschen, zu der Sie selbst keinen Zugang haben. Vielleicht ist nichts geschehen, das Ihr Misstrauen bestätigt. Und doch beginnen Sie, genauer hinzusehen.
Ihre Gedanken kehren zu einzelnen Begegnungen zurück. Wie hat er sie angesehen? Weshalb hat sie mir davon nichts erzählt? Sie vergleichen sich mit einem anderen Menschen und fragen sich, was er hat, das Ihnen fehlt. Sie möchten jedes Detail wissen. Zugleich fürchten Sie, etwas zu erfahren, das Sie nicht mehr vergessen können.
Dabei kann Ihnen selbst fremd werden, wie sehr Sie das beschäftigt. Sie fragen nach, obwohl Sie sich vorgenommen hatten, es zu lassen. Eine Erklärung beruhigt Sie kurz, bis sich ein neuer Zweifel einschiebt.
Vielleicht werden wir dann vorwurfsvoll oder ziehen uns gekränkt zurück, während wir uns eigentlich wünschen, dass der andere sich uns zuwendet.
Eifersucht kann dort entstehen, wo Vertrauen tatsächlich verletzt wurde. Sie kann aber auch die schmerzliche Erfahrung berühren, dass ein geliebter Mensch eine eigene Welt hat, in der Sie nicht überall vorkommen. Nicht immer ist leicht zu unterscheiden, ob Sie etwas wahrnehmen, das Ihre Beziehung gefährdet, oder ob eine Befürchtung zunehmend bestimmt, wie Sie das Geschehen verstehen.
Was trifft mich daran, wenn deine Aufmerksamkeit einem anderen Menschen gilt, und was geschieht dann mit meinem Gefühl, für dich besonders zu sein?
Psychologische Perspektiven
Wenn wir uns mit einem anderen Menschen vergleichen
Manchmal beschäftigt uns die Person, auf die wir eifersüchtig sind, bis in die Einzelheiten. Wir betrachten ihr Aussehen, ihre Art zu sprechen oder die Leichtigkeit, mit der sie sich bewegt. Gerade das, woran wir bei uns selbst zweifeln, scheint sie selbstverständlich mitzubringen.
Die Psychoanalytikerin Janine Chasseguet-Smirgel beschäftigte sich mit dem Ichideal: einer inneren Vorstellung von Vollkommenheit, an der wir uns ausrichten und gegenüber der wir uns als unzureichend erleben können. Ihre Überlegungen richten den Blick auf den schmerzlichen Abstand zwischen dem, wie wir uns erfahren, und dem, wie wir gern wären (Chasseguet-Smirgel, 1975).
Für Eifersucht lässt sich daran die Frage anschließen, ob ein anderer Mensch etwas von diesem Ideal zu verkörpern scheint. Vielleicht wirkt er so begehrenswert, unabhängig oder unbeschwert, wie wir selbst gern wären. Seine Unsicherheiten kennen wir kaum. Wir vergleichen unser Erleben mit einem Bild, das wir uns von ihm machen, und finden darin immer neue Gründe, weshalb der geliebte Mensch ihn vorziehen könnte. Im Vergleich kann aber auch ein eigener Wunsch sichtbar werden, dem wir bisher wenig Raum gegeben haben: Welche Eigenschaften bewundern wir? Von welchen glauben wir, dass wir sie besitzen müssten, um geliebt zu werden?
Wer müssten wir in unseren Augen sein, um nicht mehr befürchten zu müssen, dass jemand anderes liebenswerter ist?
Wenn es schwerfällt, außerhalb einer Verbindung zu stehen
Zwei Menschen lachen über etwas, das wir nicht mitbekommen haben. Sie teilen Erinnerungen oder eine Vertrautheit, die unabhängig von uns entstanden ist. Auch wenn wir keinen Anlass haben, an unserer Beziehung zu zweifeln, kann es schmerzen, ihnen dabei zuzusehen. Wir gehören zum Leben des anderen und erleben zugleich, dass es darin einen Raum ohne uns gibt.
Der Psychoanalytiker Ronald Britton beschrieb, wie bedeutsam es ist, eine Beziehung zwischen zwei anderen Menschen anerkennen zu können, an der wir selbst nicht beteiligt sind. Seine Überlegungen zum „triangulären Raum“ entstanden im Zusammenhang mit frühen Beziehungserfahrungen. Sie eröffnen auch für spätere Beziehungen eine Perspektive auf das Erleben, zeitweise außerhalb einer Verbindung zu stehen (Britton, 1989).
Aus dieser Sicht kann Eifersucht die Schwierigkeit berühren, den eigenen Platz noch zu spüren, während der andere sich jemandem zuwendet. Vielleicht entsteht der Wunsch, die fremde Vertrautheit zu unterbrechen, sich einzuschalten oder sie abzuwerten. Dann wäre zu erkunden, was das Ausgeschlossensein für uns bedeutet und ob daneben noch zugänglich bleibt, was uns mit dem geliebten Menschen verbindet.
Kann zwischen euch etwas bestehen, an dem ich nicht beteiligt bin, ohne dass mein eigener Platz dadurch verloren geht?
Wenn eigene Wünsche im anderen bedrohlich werden
Wir können einen Menschen lieben und uns dennoch von jemand anderem angezogen fühlen. Vielleicht genießen wir Aufmerksamkeit, stellen uns eine andere Begegnung vor oder wünschen uns etwas, das in unserer Beziehung wenig Raum hat. Solche Regungen können verunsichern, besonders wenn sie unserem Bild davon widersprechen, wie wir lieben möchten.
Sigmund Freud beschrieb 1922 die Möglichkeit einer „projizierten Eifersucht“: Eigene, schwer eingestandene Untreueimpulse können abgewehrt und dem anderen zugeschrieben werden. Dieser historische Gedanke beschreibt einen möglichen Mechanismus, keine allgemeine Erklärung für Eifersucht (Freud, 1922).
Daran lässt sich vorsichtig die Frage anschließen, ob uns am anderen manchmal gerade das erschreckt, was wir bei uns selbst kaum wahrnehmen dürfen. Eine solche Erkundung setzt Offenheit voraus. Eifersucht ist kein Beweis für eigene verborgene Wünsche. Ebenso müssen tatsächliche Grenzverletzungen ernst genommen werden.
Welche eigenen Wünsche oder Vorstellungen fallen uns schwer einzugestehen, während wir beim anderen besonders aufmerksam nach ihnen suchen?
Wenn sich Eifersucht und Neid miteinander vermischen
Vielleicht schmerzt uns, dass der andere mit jemandem etwas erlebt, das wir uns selbst wünschen. Wir fürchten um seine Zuwendung und beneiden zugleich die Person, die sie gerade bekommt. Unser Ärger kann sich auch gegen den geliebten Menschen richten: Er scheint frei und unbeschwert, während wir selbst kaum von unseren Gedanken loskommen.
Die Psychoanalytikerin Melanie Klein unterschied in „Neid und Dankbarkeit“ zwischen Eifersucht und Neid. Eifersucht betrifft in ihrer Theorie eine begehrte Beziehung, die durch einen Dritten bedroht erscheint. Neid richtet sich dagegen auf etwas, das ein anderer besitzt oder genießen kann und das uns selbst fehlt, manchmal verbunden mit dem Wunsch, es ihm zu verderben. Beide Gefühle können ineinandergreifen (Klein, 1957).
Diese Unterscheidung kann helfen, genauer wahrzunehmen, worunter wir leiden. Geht es um eine befürchtete Untreue? Um Aufmerksamkeit, die wir vermissen? Oder berührt uns auch, wie selbstverständlich sich andere etwas erlauben? Im Abwerten eines vermeintlichen Rivalen kann ein eigener schmerzlicher Wunsch schwerer erkennbar werden.
Was fürchten wir zu verlieren und wonach sehnen wir uns, wenn wir sehen, was zwischen anderen möglich zu sein scheint?
Wenn Nachfragen und Nachsehen keine Ruhe bringen
Es ist spät, der andere schläft schon. Das Telefon liegt auf dem Nachttisch, und wir wissen, dass wir es nicht nehmen sollten. Vielleicht haben wir uns vorgenommen, diesmal nicht nachzufragen und nicht nachzusehen. Doch die Ungewissheit bleibt. Wir möchten wissen, wer dabei war, was besprochen wurde und weshalb eine Nachricht erst so spät beantwortet wurde. Wenn wir die Einzelheiten kennen, so hoffen wir, werden wir uns wieder sicher fühlen.
Für einen Moment gelingt das. Dann fällt uns etwas auf, das noch nicht erklärt ist. Eine Antwort lässt mehrere Deutungen zu, eine Erinnerung scheint nicht ganz zu passen. Wir prüfen weiter und merken womöglich selbst, dass die ersehnte Gewissheit mit jeder Auskunft ein Stück zurückweicht.
Die Psychologin Amy Muise und ihre Kollegen befragten 2009 über 300 Studierende zu ihrer Nutzung von Facebook. Wer dort mehr Zeit verbrachte, berichtete auch über mehr Eifersucht in der Beziehung. Die Forschenden vermuteten einen Kreislauf: Soziale Netzwerke zeigen viele mehrdeutige Einzelheiten aus dem Leben des anderen, ein Foto, einen Kommentar, eine neue Bekanntschaft. Solche Einzelheiten können Eifersucht wecken, und die Eifersucht führt zu weiterem Nachsehen. Die Befragung zeigt nur einen Zusammenhang, keine Ursache, und sie stammt aus einer Zeit, in der Facebook eine andere Rolle spielte als heute (Muise, Christofides und Desmarais, 2009). Den beschriebenen Kreislauf kennen wir vielleicht dennoch: Jede neue Information verspricht Klarheit und wirft zugleich neue Fragen auf.
Dabei lohnt es sich, zwischen unterschiedlichen Anliegen zu unterscheiden. Nach einer tatsächlichen Vertrauensverletzung können ehrliche Antworten und verlässliche Absprachen wichtig sein. Vielleicht suchen wir jedoch eine Zusicherung, die kein Gespräch endgültig geben kann: dass der andere niemals jemanden anziehend finden, sich verändern oder uns verlassen wird.
Die Suche nach Beweisen kann dann die Frage verdecken, was uns innerlich so schwer erträglich ist. Vielleicht möchten wir eine Kränkung ungeschehen machen. Vielleicht können wir kaum aushalten, nicht zu wissen, was der andere empfindet. Oder wir hoffen, durch genügend Aufmerksamkeit verhindern zu können, dass etwas ohne unser Wissen geschieht.
Das Gefühl verdient Aufmerksamkeit. Zugleich bleibt entscheidend, wie wir damit umgehen. Heimliches Lesen von Nachrichten, Überwachung oder das Einschränken von Kontakten greifen in die Grenzen des anderen ein. Sie können die Beziehung zusätzlich belasten, auch wenn sie aus dem Wunsch entstehen, sie zu bewahren. Wird Kontrolle zu einem festen Bestandteil der Beziehung, etwa durch ständiges Überprüfen, Verbote oder Drohungen, kann das eine Form von Gewalt sein, gleich auf welcher Seite wir stehen. Mehr dazu finden Sie unter „Zwischen Beziehungsschwierigkeiten und psychischer Belastung“.
Ein Gespräch könnte deshalb neben den Ereignissen auch das eigene Erleben zur Sprache bringen: „Seit dieser Begegnung vergleiche ich mich ständig mit ihm. Ich merke, wie sehr mich das verunsichert.“ So wird etwas von dem sichtbar, was hinter den Fragen liegt. Ob unser Gegenüber darauf eingehen kann und wie verlässlich es uns begegnet, gehört ebenfalls zur gemeinsamen Klärung.
Welche Antwort suchen wir gerade: eine Auskunft über etwas Geschehenes oder die Gewissheit, niemals verletzt werden zu können?
Abschließender Gedanke
Manchmal sehen Sie im vermeintlichen Rivalen all das, was Ihnen an sich selbst zu fehlen scheint.
Eifersucht kann Ihren Blick verengen. Sie beobachten den anderen, vergleichen sich und versuchen herauszufinden, welchen Platz Sie noch haben. Dabei wird womöglich kaum noch spürbar, was Sie selbst ausmacht und was in Ihrer Beziehung tatsächlich gewachsen ist.
Vielleicht können Sie allmählich unterscheiden, was zwischen Ihnen geschieht und welche Befürchtungen Sie damit verbinden. Sie dürfen verletzt sein, wenn Vertrauen missachtet wurde. Und Sie können sich fragen, weshalb Sie eine Begegnung so tief trifft, auch wenn ihre Bedeutung noch ungewiss ist.
Nicht alles wird sich auflösen lassen. Doch wenn Sie Worte für Ihre Kränkung, Ihre Wünsche und Ihren Ärger finden, entsteht vielleicht wieder Raum, einander zu begegnen.
Was wünsche ich mir von dir, wenn ich für einen Moment aufhöre, mich mit jemand anderem zu vergleichen?
Vielleicht nehmen Sie sich nach einer schmerzlichen Erfahrung vor, früher auf Ihre Bedürfnisse zu achten. Sie möchten aussprechen, wenn Ihnen etwas fehlt, und nicht wieder so lange hoffen, dass sich etwas verändert. Dann begegnen Sie einem Menschen, mit dem sich zunächst etwas Neues eröffnet.
Doch mit der Zeit entsteht eine vertraute Situation. Wieder fragen Sie nach und gehen auf den anderen zu. Oder Sie fühlen sich bewundert, aber mit Ihren Schwierigkeiten wenig verstanden. Vielleicht übernehmen Sie zunehmend Verantwortung und sind schließlich enttäuscht, dass niemand bemerkt, wie sehr Sie selbst Unterstützung brauchen.
Die Ähnlichkeit kann ernüchtern. Sie fragen sich, weshalb Ihnen das schon wieder geschieht. Haben Sie etwas übersehen? Erwarten Sie zu viel? Oder hoffen Sie ausgerechnet bei Menschen auf etwas, das diese Ihnen nicht geben können?
Vielleicht erkennen Sie erst im Rückblick, wie viel Vertrautes schon am Anfang lag. Dass Sie sich besonders bemühen mussten, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dass es sich gut anfühlte, gebraucht zu werden. Oder dass Sie Anzeichen von Unverbindlichkeit zunächst als etwas verstanden, das mit wachsendem Vertrauen verschwinden würde.
Dabei entsteht eine Beziehung zwischen Menschen, die beide etwas mitbringen. Wiederkehrende Enttäuschungen können Anlass sein, die eigene Beteiligung genauer kennenzulernen, ohne uns für das Verhalten anderer verantwortlich zu machen.
Was wiederholt sich in Ihren Beziehungen, und worauf hoffen Sie jedes Mal aufs Neue?
Psychologische Perspektiven
Wenn sich Vertrautes zunächst wie Nähe anfühlt
Manchmal fühlen wir uns von einem Menschen angezogen, bevor wir viel über ihn wissen. Seine Aufmerksamkeit berührt uns auf eine besondere Weise. Vielleicht kennen wir aber auch die Unruhe, die sein wechselndes Interesse auslöst. Wir denken viel an ihn, bemühen uns um seine Zuwendung und erleben die Momente, in denen er uns nahekommt, umso intensiver.
Der Psychoanalytiker Christopher Bollas beschrieb mit dem Begriff des „ungedachten Bekannten“, wie frühe Erfahrungen in uns weiterwirken können, ohne dass wir sie als bewusste Erinnerungen zur Verfügung haben. Sie prägen mit, wie wir Begegnungen erleben und was uns selbstverständlich oder vertraut erscheint (Bollas, 1987).
Daran lässt sich die Frage anschließen, was wir am Anfang einer Beziehung wiedererkennen. Vielleicht ist uns die Erfahrung vertraut, um Aufmerksamkeit ringen zu müssen oder vor allem dann Zuwendung zu bekommen, wenn wir etwas leisten. Eine solche Vertrautheit kann uns anziehen, obwohl sie später schmerzlich wird. Sie ist eine mögliche Spur. Anziehung allein sagt nichts darüber aus, ob eine Beziehung uns guttun wird.
Was fühlt sich an diesem Menschen vertraut an und wie geht es uns mit dem, was wir aus früheren Beziehungen wiedererkennen?
Wenn wir darauf hoffen, dass es diesmal anders ausgeht
Vielleicht gibt es immer wieder Momente, in denen wir bekommen, wonach wir uns sehnen. Der andere hört aufmerksam zu, zeigt sich liebevoll oder lässt uns spüren, wie wichtig wir ihm sind. Danach zieht er sich erneut zurück. Gerade die guten Begegnungen können die Hoffnung nähren, dass diese Nähe doch dauerhaft möglich sein müsste.
Der Psychoanalytiker W. R. D. Fairbairn rückte in seiner Objektbeziehungstheorie das menschliche Bedürfnis nach Beziehung in den Mittelpunkt. Er untersuchte, wie Menschen innerlich an Beziehungen gebunden bleiben können, in denen sie Zurückweisung oder unzureichende Zuwendung erfahren haben. Dabei beschrieb er, wie gerade ein Mensch, der Sehnsucht weckt, ohne sie verlässlich zu erfüllen, uns innerlich besonders festhalten kann (Fairbairn, 1952).
Für wiederkehrende Enttäuschungen lässt sich daran eine Frage entwickeln: Hoffen wir in einer gegenwärtigen Beziehung vielleicht auch darauf, dass eine lange vertraute Erfahrung endlich einen anderen Ausgang nimmt? Wir möchten diesmal gesehen werden, ohne uns so sehr bemühen zu müssen. Diese Hoffnung verdient Verständnis. Zugleich kann sie es erschweren, wahrzunehmen, was der andere tatsächlich geben kann und möchte.
Worauf warten wir in dieser Beziehung und was macht uns zuversichtlich, dass es diesmal möglich werden könnte?
Wenn unterschiedliche Beziehungen dasselbe innere Thema berühren
Nicht jede Wiederholung zeigt sich darin, dass wir ähnlichen Menschen begegnen. Die Beziehungen können sich deutlich unterscheiden, und dennoch bleibt am Ende ein vertrautes Erleben: Wir fühlen uns übergangen, allein gelassen oder mit unseren Wünschen zu viel.
Der Psychotherapieforscher Lester Luborsky entwickelte ein Verfahren, um wiederkehrende Beziehungsthemen genauer zu untersuchen. Dabei werden drei Aspekte betrachtet: unsere Wünsche, die von uns erlebten Reaktionen anderer und unsere eigenen Antworten darauf. Gemeinsam mit Paul Crits-Christoph beschrieb er diesen Ansatz als Methode zur Untersuchung des „Zentralen Beziehungs-Konflikt-Themas“ (Luborsky und Crits-Christoph, 1998).
So könnten wir uns beispielsweise Unterstützung wünschen, die Reaktion des anderen als widerwillig erleben und daraufhin unsere Bitte zurücknehmen. Zurück bleibt das Gefühl, wieder alles allein tragen zu müssen. Eine solche Betrachtung fragt sowohl nach dem tatsächlichen Geschehen als auch danach, wie wir es verstehen und darauf reagieren. Gerade die Unterschiede zwischen einzelnen Situationen können dabei aufschlussreich sein.
Welcher Wunsch bleibt in unseren Enttäuschungen immer wieder unerfüllt und was tun wir, sobald wir glauben, dass er keinen Platz findet?
Wenn wir miteinander in eine vertraute Rollenverteilung geraten
Manche Beziehungen verändern sich in kleinen Schritten. Wir übernehmen etwas, weil es uns leichter fällt. Beim nächsten Mal tun wir es wieder. Der andere verlässt sich zunehmend darauf. Irgendwann sind wir diejenigen, die organisieren, nachfragen und die Verbindung aufrechterhalten, und fühlen uns damit allein.
Der Psychologe Paul Wachtel beschreibt in seiner zyklischen Psychodynamik, wie innere Erwartungen, eigenes Verhalten und Reaktionen der Umgebung einander fortlaufend beeinflussen können. Was wir befürchten, kann unser Verhalten so prägen, dass sich Bedingungen für eine erneute ähnliche Erfahrung entwickeln. Solche Kreisläufe sind veränderbar und keine zwangsläufigen Abläufe (Wachtel, 2014).
Vielleicht übernehmen wir früh sehr viel, weil wir befürchten, sonst werde etwas ausbleiben. Dabei wird für den anderen weniger sichtbar, dass wir uns Beteiligung wünschen. Zugleich entscheidet auch er, ob er Verantwortung übernimmt und auf ausgesprochene Bedürfnisse eingeht. Die eigene Beteiligung zu erkennen, kann Handlungsspielraum eröffnen. Es macht uns nicht für Gleichgültigkeit, Ausbeutung oder Grenzverletzungen anderer verantwortlich.
An welcher Stelle übernehmen wir bereits etwas, bevor sich zeigen kann, ob der andere von sich aus auf uns zukommt?
Wenn sich etwas anders anfühlt als gewohnt
Wir wünschen uns vielleicht lange eine andere Beziehungserfahrung und wissen zunächst wenig damit anzufangen, wenn sie entsteht. Jemand hört zu, ohne dass wir lange um Aufmerksamkeit ringen müssen. Eine Meinungsverschiedenheit führt nicht zum Rückzug. Wir sagen ab, und der andere bleibt uns zugewandt.
Vielleicht tut das gut. Vielleicht werden wir aber auch misstrauisch oder bemerken, dass uns etwas fehlt. Wo wir sonst viel nachdenken, warten und hoffen, ist weniger Unruhe. Es kann ungewohnt sein, eine Verbindung zu erleben, in der wir uns unseren Platz nicht immer wieder sichern müssen.
Das bedeutet nicht, dass eine ruhige Beziehung zwangsläufig die richtige ist. Auch Verlässlichkeit allein schafft noch keine Anziehung oder Verbundenheit. Doch es lohnt sich, genauer hinzusehen: Vermissen wir diesen Menschen oder eine Spannung, an der wir bisher erkannt haben, wie wichtig uns jemand ist? Können wir seine Zuwendung annehmen, oder warten wir darauf, dass sich doch noch ein vertrauter Haken zeigt?
Neue Erfahrungen können auch dadurch entstehen, dass wir selbst etwas anders machen. Wir sprechen einen Wunsch früher aus. Wir lassen eine Aufgabe beim anderen, statt sie vorsorglich zu übernehmen. Oder wir nehmen eine Enttäuschung ernst, ohne sie sofort zu erklären und weiterzuwarten. Wie das Gegenüber darauf reagiert, gibt uns wichtige Auskunft über die gegenwärtige Beziehung.
Dabei muss Veränderung nicht sofort sicher oder erleichternd wirken. Wenn wir anders handeln als gewohnt, wissen wir noch nicht, wie es weitergeht. Gerade darin kann eine Möglichkeit liegen: einen Moment offenzulassen, dessen Ausgang wir bisher schon zu kennen glaubten.
Weshalb sich gerade das Neue zunächst fremd anfühlen kann, beschreibt auch der Blogartikel „Warum wir Beziehungsmuster wiederholen, obwohl wir sie längst verstanden haben“.
Woran würden wir erkennen, dass sich etwas verändert, auch wenn es sich zunächst ungewohnt anfühlt?
Abschließender Gedanke
Vielleicht haben Sie sich fest vorgenommen, dass es diesmal anders wird, und finden sich doch wieder an einem schmerzlich vertrauten Punkt.
Es kann entmutigen, wenn Sie etwas längst verstanden haben und es dennoch erneut erleben. Sie erkennen, wie sehr Sie sich bemühen, wie lange Sie warten oder wie schwer es Ihnen fällt, eine Enttäuschung auszusprechen. Trotzdem scheint es im entscheidenden Moment kaum eine andere Möglichkeit zu geben.
Solche Wiederholungen lassen sich nicht einfach durch einen guten Vorsatz auflösen. Manchmal ist mit ihnen die tiefe Hoffnung verbunden, dass etwas Vertrautes doch noch anders ausgehen könnte: dass Sie diesmal Zuwendung bekommen, bleiben dürfen oder mit Ihren Wünschen gehört werden.
Veränderung kann dort beginnen, wo Sie früher bemerken, was gerade geschieht. Wo Sie einen Wunsch aussprechen, statt erneut still zu hoffen. Wo Sie Unterstützung annehmen, um einen Schritt zu wagen, der Ihnen allein noch schwerfällt.
Nicht alles wird sofort anders. Doch jede Erfahrung, in der Sie sich selbst ernster nehmen und eine neue Antwort finden, kann Ihren Spielraum erweitern.
Was sich oft wiederholt hat, muss nicht bestimmen, wie meine nächste Begegnung ausgeht.
Vielleicht beschäftigt Sie diese Frage schon länger. Sie haben Gespräche geführt, Veränderungen versucht und sich vorgenommen, eine Entscheidung zu treffen. Doch was nach einem Streit eindeutig erscheint, fühlt sich am nächsten Morgen anders an. Eine vertraute Geste berührt Sie. Für einen Moment wird wieder spürbar, weshalb Sie mit diesem Menschen zusammen sein wollten.
In einer gewachsenen Beziehung steht vieles zugleich auf dem Spiel: Zuneigung, gemeinsame Erinnerungen, ein Alltag und Vorstellungen von der Zukunft. Vielleicht hängen auch Kinder, ein gemeinsames Zuhause oder finanzielle Verpflichtungen daran.
Wir können jemanden noch lieben und daran zweifeln, ob wir miteinander weiterleben möchten. Wir können uns nach einem Leben ohne die Beziehung sehnen und zugleich um das trauern, was damit zu Ende ginge.
Vielleicht fürchten wir, zu früh aufzugeben. Oder wir fragen uns, ob wir längst bleiben, weil wir den anderen nicht verletzen möchten, vor dem Alleinsein zurückschrecken oder unseren eigenen Zweifeln nicht trauen. Während wir nach Gewissheit suchen, geht das gemeinsame Leben weiter. Auch das Aufschieben beginnt etwas zwischen uns zu verändern.
Es können die widersprüchlichen Seiten einer Beziehung sein, die eine Entscheidung schwer machen. Vielleicht fehlt Ihnen auch der Raum, überhaupt wahrzunehmen, was Sie selbst möchten, besonders wenn Druck oder Angst das Miteinander bestimmen.
Was hält Sie in dieser Beziehung, was lässt Sie ans Gehen denken, und was davon können Sie sich bisher nur schwer eingestehen?
Psychologische Perspektiven
Wenn wir lieben und zugleich nicht mehr so weiterleben möchten
Vielleicht berührt uns die vertraute Art des anderen noch immer. Wir kennen seine Verletzlichkeit, schätzen seinen Humor und erinnern uns an vieles, das uns verbindet. Zugleich gibt es Situationen, in denen wir kaum noch bei ihm sein möchten. Dann fragen wir uns, welches dieser Gefühle das richtige ist, als müsste eines das andere widerlegen.
Die Psychoanalytikerin Melanie Klein beschäftigte sich damit, wie liebevolle und aggressive Gefühle gegenüber demselben Menschen miteinander verbunden werden können. In ihrer Theorie gehört dazu, den anderen mit seinen zugewandten und enttäuschenden Seiten als dieselbe Person wahrzunehmen (Klein, 1935).
Für die Frage nach Bleiben oder Gehen lässt sich daran anknüpfen: Vielleicht müssen wir unsere Zuneigung nicht bestreiten, um eine Trennung erwägen zu dürfen. Ebenso muss ein Trennungswunsch nicht bedeuten, dass alles Gemeinsame falsch gewesen ist. Unterschiedliche Gefühle gleichzeitig ernst zu nehmen, kann helfen, die Beziehung umfassender zu betrachten. Daraus ergibt sich noch keine Entscheidung, aber möglicherweise ein klareres Bild dessen, womit wir leben.
Was wird sichtbar, wenn weder unsere Liebe noch unsere Enttäuschung allein über die Beziehung entscheiden muss?
Wenn wir den anderen nicht verletzen möchten
Manchmal können wir uns das eigene Leben nach einer Trennung eher vorstellen als das Gespräch, in dem wir sie aussprechen. Wir sehen die Traurigkeit des anderen vor uns, seine Wut oder die Frage, weshalb wir ihm das antun. Vielleicht fühlen wir uns schon schuldig, weil wir überhaupt ans Gehen denken.
Der Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald W. Winnicott beschrieb die Entwicklung der Fähigkeit zur Sorge um einen anderen Menschen. Dazu gehört in seiner Theorie, eigene Impulse als die eigenen anzuerkennen und Verantwortung dafür übernehmen zu können, wie sie den anderen berühren (Winnicott, 1963).
Daran lässt sich eine Frage anschließen, die bei Trennungsentscheidungen schmerzlich sein kann: Wie unterscheiden wir Verantwortung von dem Anspruch, dem anderen jeden Schmerz ersparen zu müssen? Wir können berücksichtigen, wie wir etwas aussprechen, gemeinsame Verpflichtungen ernst nehmen und fair handeln. Dennoch lässt sich möglicherweise nicht verhindern, dass eine Entscheidung den anderen verletzt. Auch Schuldgefühle brauchen dabei eine genaue Betrachtung. Vielleicht weisen sie auf etwas hin, wofür wir einstehen möchten. Vielleicht entstehen sie aber schon dort, wo unser eigener Wunsch von dem des anderen abweicht.
Wofür möchten wir Verantwortung übernehmen und welchen Schmerz glauben wir verhindern zu müssen, indem wir bleiben?
Wenn wir mit der Beziehung ein ganzes Leben verlieren würden
Eine Trennung betrifft oft weit mehr als die gemeinsame Zeit zu zweit. Sie kann bedeuten, die Kinder nicht mehr täglich zu sehen, das Zuhause aufzugeben oder finanziell unsicherer zu leben. Auch Freundschaften, Familienrituale und die Vorstellung vom eigenen Älterwerden können daran gebunden sein.
Vielleicht wissen wir recht deutlich, was uns in der Partnerschaft fehlt, und können uns dennoch kaum vorstellen, unser gemeinsames Leben aufzulösen. Wir würden auch eine vertraute Rolle verlieren: als Paar, als Familie unter einem Dach oder als jemand, der sich auf eine bestimmte Zukunft verlassen konnte.
Es kann helfen, diese unterschiedlichen Bindungen auseinanderzuhalten. Was möchten wir miteinander bewahren? Wovon müssten wir Abschied nehmen? Und welche Befürchtungen brauchen zunächst konkrete Auskunft oder Unterstützung?
Was bindet uns an diesen Menschen, was an unser gemeinsames Leben und was brauchen wir, um unsere Möglichkeiten klarer sehen zu können?
Wenn sich verändern müsste, wie wir miteinander leben
Vielleicht schwanken wir zwischen zwei Vorstellungen: Entweder bleibt alles, wie es ist, oder wir müssen uns trennen. Dabei ist womöglich noch unklar, ob beide bereit wären, etwas an der gemeinsamen Beziehung zu verändern, und was das konkret bedeuten würde.
In der psychoanalytischen Paartherapie werden auch unausgesprochene Erwartungen betrachtet, die ein gemeinsames Leben mitgestalten. Der von Stanley Ruszczynski herausgegebene Band „Psychotherapy with Couples“ beschäftigt sich unter anderem mit solchen unbewussten Vereinbarungen und dem Zusammenspiel von individueller Entwicklung und Paarbeziehung (Ruszczynski, 1993).
Vielleicht war lange selbstverständlich, dass einer zurücksteckt, Entscheidungen übernimmt oder schwierige Gefühle auffängt. Wenn diese Verteilung nicht mehr trägt, kann die Beziehung als Ganze fraglich werden. Zu erkunden wäre dann, ob ein anderes Miteinander möglich ist: Können beide Wünsche aussprechen, den eigenen Anteil betrachten und Veränderungen im Alltag tatsächlich mittragen? Paartherapie kann Raum für diese Klärung bieten, ohne dass das Ergebnis bereits feststehen muss. Wo Einschüchterung, Kontrolle oder Gewalt bestehen, brauchen Schutz und eine eigenständige Beratung jedoch Vorrang.
Welche Veränderungen bräuchten wir, um bleiben zu wollen, und woran könnten wir erkennen, dass wir beide dazu bereit sind?
Worüber brauchen wir Klarheit, bevor wir entscheiden können?
Die Frage „Bleiben oder gehen?“ kann so groß werden, dass alles in ihr zusammenfällt. Unsere Gefühle für den anderen, die Sorge um die Kinder, finanzielle Abhängigkeiten und die Hoffnung auf Veränderung scheinen eine einzige Antwort zu verlangen. Vielleicht kommen wir auch deshalb immer wieder an denselben Punkt.
Es kann helfen, zunächst kleinere Fragen zu unterscheiden. Was fehlt uns in der Beziehung? Was müsste sich verändern, damit wir sie weiterführen möchten? Haben wir das bereits ausgesprochen, und wie ist der andere damit umgegangen? Ein Versprechen kann Hoffnung wecken. Ob daraus im Alltag etwas entsteht, lässt sich erst mit der Zeit erkennen.
Andere Fragen brauchen vor allem verlässliche Informationen. Wir wissen vielleicht noch nicht, wie wir getrennt wohnen könnten, welche finanziellen Möglichkeiten bestehen oder wie sich die gemeinsame Verantwortung für Kinder gestalten ließe. Sich dazu beraten zu lassen, kann den eigenen Handlungsspielraum verständlicher machen. Es bedeutet noch nicht, dass die Entscheidung zur Trennung gefallen ist.
Auch unsere Gefühle werden möglicherweise nicht eindeutig werden. Wir können eine Entscheidung für richtig halten und dennoch traurig sein. Wir können Erleichterung empfinden und zugleich zweifeln. Wenn wir darauf warten, dass jede Bindung verschwindet oder jede Angst nachlässt, bleibt eine Entscheidung womöglich lange unerreichbar.
Ein nächster Schritt könnte deshalb sein, einem bestimmten Punkt nachzugehen: ein bisher vermiedenes Gespräch zu führen, eine eigene Beratung aufzusuchen oder eine praktische Frage zu klären. Dabei kann deutlicher werden, was sich noch entwickeln lässt und wo wir bereits an Grenzen stoßen.
Wenn wir befürchten müssen, dass ein offenes Gespräch Drohungen oder Gewalt auslöst, braucht es zunächst einen geschützten Rahmen und unabhängige Unterstützung. Hinweise dazu finden Sie unter „Zwischen Beziehungsschwierigkeiten und psychischer Belastung“.
Welche Frage könnten wir als Nächstes klären, ohne schon unser ganzes weiteres Leben entschieden haben zu müssen?
Abschließender Gedanke
Eine Entscheidung kann sich richtig anfühlen und trotzdem wehtun.
Vielleicht wünschen Sie sich einen Moment, in dem alles eindeutig wird. In dem Sie bleiben können, ohne weiter zu zweifeln, oder gehen, ohne jemanden zu vermissen. Doch eine gewachsene Beziehung lässt sich selten ohne widersprüchliche Gefühle betrachten.
Was Sie verbunden hat, darf bedeutsam bleiben, auch wenn Sie sich trennen. Und wenn Sie bleiben möchten, dürfen Sie ernst nehmen, was sich verändern muss. Gemeinsame Verantwortung und die Folgen einer Trennung brauchen dabei ebenso Raum wie Ihre eigenen Wünsche.
Sie müssen nicht heute schon wissen, wie Ihr weiteres Leben aussehen wird. Mit Unterstützung können Sie klären, was möglich ist, und Ihrem eigenen Erleben wieder mehr vertrauen.
Vielleicht beginnt Zuversicht damit, dass ich mir einen nächsten Schritt zutraue und mit dem, was daraus folgt, nicht allein bleiben muss.
Vielleicht gibt es Menschen, die Sie gern näher kennenlernen würden. Ein Gespräch hat Sie berührt, Sie denken später noch daran. Trotzdem melden Sie sich nicht. Sie fragen sich, ob Ihr Interesse willkommen wäre, ob Sie etwas zu sagen hätten oder ob der andere Ihnen nur aus Höflichkeit zugehört hat. Bevor eine Begegnung sich entwickeln kann, haben Sie sie innerlich vielleicht schon aufgegeben.
Es kann sein, dass Sie sich Kontakt wünschen und zugleich wenig Zugang zu anderen erleben. Sie bleiben im Gespräch eher beobachtend, erzählen von Ereignissen, aber kaum davon, was sie Ihnen bedeuten. Auch wenn Ihnen jemand freundlich begegnet, stellt sich das Gefühl von Vertrautheit nicht ohne Weiteres ein. Allein können Sie sich lebendiger und freier fühlen und dennoch Menschen vermissen, mit denen Sie Ihr Leben teilen könnten.
Vielleicht wird es besonders schwierig, sobald aus einer Begegnung eine Beziehung entstehen könnte. Dann könnten auch Seiten an uns sichtbar werden, für die wir uns schämen. Wir müssten zeigen, dass wir jemanden mögen oder brauchen, ohne zu wissen, wie er darauf reagiert. Oder wir befürchten, dass mit der Verbindung Erwartungen entstehen, denen wir uns kaum entziehen können.
Rückzug kann zunächst entlasten. Niemand kann Sie zurückweisen, vereinnahmen oder etwas von Ihnen verlangen. Doch mit der Zeit wird es möglicherweise schwerer, wieder auf andere zuzugehen. Sie haben vieles mit sich selbst ausgemacht und wissen immer weniger, wie Sie jemanden daran teilhaben lassen könnten.
Nicht jedes Bedürfnis nach Alleinsein ist Ausdruck einer Schwierigkeit. Entscheidend ist auch, ob Sie Ihren Abstand frei wählen können oder ob Sie auf Verbindung verzichten, obwohl Sie sich nach ihr sehnen.
Wovor schützt Sie das Alleinbleiben, und was von Ihnen findet darin auf Dauer kein Gegenüber?
Psychologische Perspektiven
Wenn wir uns zurückziehen, um innerlich sicher zu bleiben
Manchmal stellen wir uns eine Begegnung gern vor, solange sie noch nicht stattfindet. Wir denken darüber nach, was wir erzählen könnten, und fühlen uns dem anderen dabei nahe. Sobald ein Treffen möglich wird, verändert sich etwas. Wir werden angespannt, finden Gründe abzusagen und sind zunächst erleichtert, wieder allein zu sein.
Der Psychoanalytiker Harry Guntrip beschäftigte sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Beziehung und einem Rückzug, der das eigene Selbst schützen soll. In seinen Arbeiten über schizoides Erleben betrachtete er auch die Möglichkeit, dass hinter äußerer Distanziertheit ein schwer zugängliches Bedürfnis nach Verbindung liegt (Guntrip, 1968).
Aus dieser Perspektive kann die innere Vorstellung einer Beziehung etwas ermöglichen, das im tatsächlichen Kontakt schwieriger wird. Dort können wir das Tempo selbst bestimmen und müssen uns keiner unerwarteten Reaktion aussetzen. Im Zusammensein begegnen wir dagegen einem eigenständigen Menschen. Die Frage wäre, unter welchen Bedingungen wir uns dabei sicher genug fühlen, um anwesend zu bleiben.
Was wird im tatsächlichen Zusammensein schwierig, das in unserer Vorstellung von einer Begegnung noch möglich war?
Wenn wir erst anders sein müssten, um uns zeigen zu dürfen
Vielleicht würden wir uns gern melden, aber uns fällt nichts ein, das interessant genug erscheint. Wir glauben, unterhaltsamer, gelassener oder erfolgreicher sein zu müssen, bevor jemand unsere Gesellschaft wirklich wünschen könnte. Eine Einladung kann dann neben Freude auch die Sorge auslösen, den Erwartungen nicht zu entsprechen.
Die Psychoanalytikerin Karen Horney beschrieb, wie Menschen ein idealisiertes Bild ihrer selbst entwickeln können, an dem das eigene Erleben fortwährend unzureichend erscheint. Mit ihren Überlegungen zu inneren Forderungen und Selbstverachtung untersuchte sie auch, wie der Anspruch, anders sein zu müssen, den Zugang zu den eigenen Möglichkeiten erschwert (Horney, 1950).
Für Beziehungen lässt sich daran die Frage anschließen, ob wir uns überhaupt erlauben, mit Unsicherheit, begrenzter Kraft oder einem gewöhnlichen Alltag vorzukommen. Vielleicht ziehen wir uns zurück, bevor sich zeigen kann, wie der andere uns tatsächlich begegnen würde. Die erwartete Ablehnung ist dann bereits wirksam, obwohl noch keine Antwort vorliegt.
Was glauben wir einem anderen bieten zu müssen, damit unser Wunsch nach Kontakt berechtigt ist?
Wenn wir im Kontakt vor allem darauf achten, nichts falsch zu machen
Ein Gespräch kann äußerlich freundlich verlaufen und uns dennoch viel Kraft kosten. Während der andere erzählt, überlegen wir bereits, wie wir antworten sollen. Wir beobachten seinen Gesichtsausdruck, prüfen unsere Worte und bemerken jede Pause. Später erinnern wir uns vor allem an das, was uns vermeintlich misslungen ist.
Der Psychiater Harry Stack Sullivan rückte zwischenmenschliche Erfahrungen und das Bedürfnis nach Sicherheit ins Zentrum seiner Theorie. Er beschrieb, wie Angst in Beziehungen entsteht und wie Menschen versuchen, sich vor Erfahrungen zu schützen, die ihr Selbstgefühl bedrohen (Sullivan, 1953).
Daran lässt sich verstehen, weshalb unsere Aufmerksamkeit im Kontakt manchmal stärker der Vermeidung von Beschämung als der Begegnung selbst gilt. Wenn wir uns fortwährend beobachten, bleibt wenig Raum für Neugier, spontane Antworten oder das Empfinden, gemeinsam etwas zu erleben. Auch eine wohlwollende Reaktion kann uns dann entgehen, während wir nach Anzeichen von Missbilligung suchen.
Was nehmen wir vom anderen noch wahr, wenn wir vor allem damit beschäftigt sind, welchen Eindruck wir auf ihn machen?
Wenn unsere Art, Verbindung zu suchen, leicht übersehen wird
Nicht jede Zuwendung zeigt sich in häufigen Nachrichten, persönlichen Gesprächen oder dem Wunsch nach viel gemeinsamer Zeit. Vielleicht fühlen wir uns jemandem besonders verbunden, wenn wir nebeneinander einer Beschäftigung nachgehen, Gedanken austauschen oder gemeinsam schweigen können. Dass uns diese Begegnungen viel bedeuten, bleibt für den anderen möglicherweise unklar.
Die Psychoanalytikerin Nancy McWilliams beschreibt schizoide Dynamiken differenzierter, als es die Vorstellung eines grundsätzlich beziehungslosen Menschen nahelegt. Sie betont die Vielfalt und das unterschiedliche psychische Funktionsniveau innerhalb solcher Persönlichkeitsmuster. Damit eröffnet sie einen Blick auf Menschen, deren inneres Erleben von außen nur schwer erkennbar ist (McWilliams, 2006). Mehr zur Einordnung solcher Persönlichkeitsanteile finden Sie unter „Persönlichkeit und Beziehung verstehen“.
Für unseren Umgang mit Beziehungen ergibt sich daraus eine praktische Frage: Wie können wir etwas von unserer Verbundenheit ausdrücken, ohne uns dabei zu überfordern? Ein kurzer Satz darüber, dass uns ein Treffen wichtig war, kann dem anderen Orientierung geben. Zugleich dürfen wir erkunden, welche Formen und welches Maß an Kontakt uns entsprechen. Entscheidend ist auch, ob das Gegenüber dafür Verständnis und eigenes Interesse mitbringt.
Wie könnten wir einen anderen Menschen wissen lassen, dass er uns wichtig ist, auf eine Weise, die sich nach uns selbst anfühlt?
Wenn wir uns nach Verbindung sehnen, aber keinen Anfang finden
Vielleicht denken wir häufiger an einen Menschen, als er ahnt. Wir erinnern uns an etwas, das er erzählt hat, fragen uns, wie es ihm geht, und würden ihn gern wiedersehen. Doch von alldem erfährt er nichts. Nach außen entsteht eine Stille, die wie Desinteresse wirken kann, während uns innerlich vieles mit ihm verbindet.
Mit der Zeit kann es schwerer werden, sich zu melden. Wir glauben, die lange Pause erklären zu müssen. Vielleicht schämen wir uns dafür, eine Nachricht unbeantwortet gelassen zu haben, oder nehmen an, dass der andere inzwischen nichts mehr von uns hören möchte. Vor dem Wunsch nach Kontakt baut sich eine immer größere Hürde auf.
Vielleicht warten wir dann auf ein Zeichen, das uns die Unsicherheit abnimmt. Wenn der andere sich meldet, könnten wir sicher sein, willkommen zu sein. Doch vielleicht wartet auch er, weil er unseren Rückzug respektieren möchte oder selbst verunsichert ist.
Ein Anfang muss nicht bereits die ganze Beziehung tragen. Wir könnten an etwas Gemeinsames anknüpfen oder schlicht aussprechen, dass wir an den anderen gedacht haben. Es braucht dafür weder eine vollständige Erklärung unseres Rückzugs noch das Versprechen, künftig immer erreichbar zu sein.
Dabei ist auch wichtig, wie viel Kontakt wir tatsächlich möchten und bewältigen können. Ein kurzer Spaziergang kann eher vorstellbar sein als ein ganzer Abend. Eine Begegnung zu zweit kann uns mehr entsprechen als eine Gruppe. Wenn wir unsere Möglichkeiten ernst nehmen, muss der Schritt auf jemanden zu nicht gleich bedeuten, uns selbst zu übergehen.
Die Antwort bleibt offen. Vielleicht wird unser Interesse erwidert, vielleicht auch nicht. Das kann schmerzen. Doch eine einzelne Reaktion entscheidet weder über unseren Wert noch darüber, ob wir Verbindung finden können.
Wie es sich anfühlen kann, unter Menschen zu sein und sich dennoch allein zu fühlen, beschreibt der Gedanke „Allein unter Menschen“ in der Themenwelt „Wenn etwas fehlt“.
Welches kleine Zeichen könnten wir geben, damit etwas von unserer inneren Verbundenheit auch beim anderen ankommen darf?
Abschließender Gedanke
Vielleicht ist der Wunsch nach Verbindung längst da, auch wenn andere wenig davon erfahren.
Es kann schmerzlich sein, Menschen zu vermissen und sich zugleich vor Begegnungen zu scheuen. Vielleicht hat das Alleinsein Sie lange geschützt. Darin konnten Sie Ihren eigenen Rhythmus bewahren und Seiten von sich leben, die Sie im Kontakt kaum zeigen können.
Wenn Sie sich mehr Verbindung wünschen, verdient auch dieses Schutzbedürfnis Verständnis. Sie dürfen herausfinden, wie viel Nähe Ihnen entspricht und was Sie brauchen, um sich mit jemandem sicherer zu fühlen. Auch therapeutische Unterstützung kann einen Raum bieten, in dem Sie das allmählich erkunden.
Vielleicht erleben Sie dann, dass Sie sich zeigen können, ohne alles preisgeben zu müssen. Dass Unsicherheit ausgesprochen werden darf und eine Pause nicht jedes Mal das Ende einer Verbindung bedeutet.
Vielleicht gibt es Beziehungen, in denen ich einen Platz finde, auch mit meiner Zurückhaltung und in meinem eigenen Tempo.

